Demokratie in Liechtenstein – Fluch oder Segen?

Nach jeder Abstimmung, die vom Volk nicht angenommen wird, hört man Sätze wie: «Typisch Liechtensteiner! Das sind alles Nein-Sager!» Am meisten überrascht von diesen Ergebnissen sind anscheinend einige unserer Politiker. Fast sieht es so aus, als ob ein Teil unserer Volksvertreter andere Meinungen vertreten als die Mehrheit der
Bevölkerung. Warum wohl, liebe Politiker, sagt die Mehrheit der Wähler NEIN zu euren Vorschlägen? – Weil diese nicht die Meinung der Wähler widerspiegeln! (Siehe z.B. S-Bahn-, Mühle Vaduz oder Tempo-30-Abstimmung in Schaan etc.) Da können gewisse Kreise noch so «zörnelen», das ist halt so in einer gelebten Demokratie. Sitzen vielleicht einige dank ihrer Parteizugehörigkeit auf den für sie zu grossen Stühlen im Grossen Haus? Oder haben sie das Ohr zu wenig nah am Volk? Vielleicht trifft beides zu.

Was zu denken gibt, ist die Kommunikationskultur in unserem Land: Da wird beleidigt und persönlich angegriffen. Da wird gelogen und das Wort im Munde umgedreht, um dem Wähler mit aller Gewalt die «einzig wahre» Meinung «einzubläuen» oder die der «einzig richtigen» Partei. Es wird persönlich und mit Namen in der Presse angegriffen. Es
werden Ängste geschürt und schlimme Szenarien herbeigeredet, die jeglichen Tatsachen widersprechen. Möchten wir so eine Streitkultur in unserem Land wirklich haben? Diese fragliche Form der Konversation überlassen wir doch lieber anderen Staaten! Dass in Liechtenstein schon immer heftig politisiert wurde und wird, ist an sich eine positive Eigenschaft. Aber man sollte sich trotz verschiedener Meinungen immer wieder an einen Tisch setzen können und ein Bierchen zusammen trinken.

Was man bis jetzt nur von Landtagswahlen kannte, ist nun anscheinend auch bei Gemeindereferenden Sache: Man lässt sich von Profis, natürlich gegen Bezahlung, beraten, lässt diese ein Konzept ausarbeiten und bedankt sich dann auch noch öffentlich (im voraus!) bei den finanzstarken Gönnern (Tempo-30-Abstimmung). Ist das die neue Art, Gemeindepolitik zu machen? Es ist zu befürchten, dass nur noch ein Bürger das Referendum ergreifen kann, wenn er profimässig und finanziell unterstützt wird.

Unter den erwähnten Umständen ist nicht verwunderlich, dass es für alle Parteien immer schwieriger wird, sowohl für die Landtagswahlen wie auch für Gemeindewahlen, geeignete Kandidaten zu finden. Es ist nicht jedermanns Sache, manchmal aggressiv und unfair angegangen zu werden. In der Politik braucht man ein dickes Fell und muss sich bewusst sein, dass man nicht «everybody’s darling» sein kann. Liechtenstein braucht in der Politik zwingend «gestandene Frauen und Männer» mit gesundem Menschenverstand und Lebenserfahrung. Mit Herzblut und Empathie für unser Land und seine Bewohner. Menschen, die bereit sind, für ihre Überzeugungen einzustehen und das Beste für unser Land und seine Leute wollen. Menschen, die nicht nur den wirtschaftlichen Erfolg im Blick haben, sondern auch die Zufriedenheit und das Glück der Bevölkerung in den Vordergrund stellen. D.h. weniger Bevormundung, weniger Willkür, mehr Toleranz, weniger Gegeneinander und mehr Miteinander.

Kurzum, Menschen, die mit Idealismus bereit sind, Liechtenstein und seine Werte zu einer kleinen Oase des Glücks zu machen. Die Voraussetzungen dazu hätten wir!

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