Die medizinisch unterstützte Fortpflanzung

Die medizinisch unterstützte Fortpflanzung ist politisch und ethisch ein besonders heikles Thema. Die Regierung hat in ihrer Sitzung vom 12. Juli 2016 zu diesem Thema einen Vernehmlassungsbericht verabschiedet mit dem Ziel, ein Fortpflanzungsmedizin-Gesetz zu schaffen. Dabei geht es nicht nur um das Einbringen von Samen in die Geschlechtsorgane einer Frau, sondern auch darum, eine gesetzliche Grundlage für die In-vitro-Fertilisation (IVF), d.h. Vereinigung von Eizellen mit Samenzellen ausserhalb des Körpers einer Frau, zu schaffen. Damit verbunden ist auch das Einpflanzen körperfremder, entwicklungsfähiger Zellen in die Gebärmutter oder Eileiter einer Leihmutter (auch Mietmutter genannt).

Bis dato ist der weitere Gesetzgebungsprozess durch die Regierung nicht vorangetrieben worden. Durch das jüngste Urteil des Staatsgerichtshofes ist plötzlich dringender Handlungsbedarf eingetreten (siehe oben).

Adoption und Leihmutterschaft
Adoption kann als ein Akt der Solidarität angesehen werden. Oft führen Not der Eltern eines Kindes oder andere schwierige Umstände dazu, ein Kind zur Adoption freizugeben, um das Wohl des Kindes zu sichern.
Leihmutterschaft hingegen ist ein Akt der Entpersonalisierung der familiären Beziehung und der Diskontinuität (Bruch der Lebensorientierung). Die Frage, die sich hier stellt, ist, ob die Rechte des Kindes ausreichend berücksichtigt sind.

Bedeutet «Ehe für alle» ein «Recht auf ein Kind»? Mit dem Effekt, dass Kinder zu einer Ware werden könnten, die «bestellt», «geliefert» und, als ein möglicher nächster Schritt, bei «Qualitätsmängeln» (z.B. einer Behinderung) wieder «abbestellt» oder nicht abgeholt werden?
Das widerspricht der Menschenwürde und jeder Ethik.

Das Eheprivileg
Das Privileg der Ehe ist, dass Leben nur durch Frau und Mann entstehen kann. Was macht es mit Kindern, wenn sie nicht der Gemeinschaft von Mutter und Vater entstammen, sondern Produkte aus Fortpflanzungskliniken sind? Das ist die massgebende Frage, die man sich bei der Debatte «Ehe für alle» stellen muss. Denn im Kern geht es um die Kinder und nicht um die vermeintlichen «Privilegien» der Ehe.

Es ist nachvollziehbar, dass manche Menschen ihren unbedingten Kinderwunsch mit Leihmüttern erfüllen wollen. Aber werden dabei die Bedürfnisse Erwachsener nicht über jene der Kinder gestellt?

Grundsätzlich muss man festhalten, dass niemand ein Recht auf ein Kind hat, aber das Kind hat ein Recht auf Mutter und Vater, denn sonst würde es ja gar nicht entstehen.

Leihmutterschaft: Mutter-Kind-Bindung geht verloren
Die pränatale (vorgeburtliche) Lebensphase, die Bindung zwischen der schwangeren Frau und ihrem ungeborenen Kind, ist von grosser Bedeutung. Im Falle der Leihmutterschaft bedeutet die Geburt aber auf jeden Fall einen Beziehungsabbruch (Diskontinuität), dessen Auswirkungen für die Entwicklung der Kinder kaum abschätzbar sind. In der öffentlichen Diskussion herrscht ein offensichtlicher Widerspruch. Es wird behauptet, dass das Wohl des Kindes im Mittelpunkt stehe. Gleichzeitig werden die bereits vor der Geburt wirksamen Bindungsaspekte vernachlässigt. Auch für die Leihmutter kann die Trennung vom Kind für den Rest des Lebens seelisch belastend sein.

Kinder ohne Wurzeln
Homo-Paaren bleiben von Natur aus eigene Kinder verwehrt. Diese müssen deshalb von anderen «bereitgestellt» werden, wofür ein Adoptionsrecht absehbar nicht ausreicht. Gewünscht wird deshalb die sogenannte «Leihmutterschaft», für die in Liechtenstein eine gesetzliche Grundlage fehlt.

Wie wird das Recht einer leiblichen Mutter gegenüber dem Kind gewährleistet? Wenn ein Kind älter wird, stellt es fest, dass es nicht aus zwei Papas entstehen konnte und sucht oftmals verbittert über Jahre hinweg seine leibliche Mutter, seine Wurzeln. Wie soll es die Mutter finden, wenn irgendwo auf der Welt von einer Agentur Eizellen zum Befruchten gekauft wurden, die dann im Reagenzglas (In-vitro-Fertilisation (IVF)) mit dem Samen vereinigt, zur Herstellung von mehreren Embryos, die dann vielleicht jahrelang tiefgefroren werden und dann daraus aussortierte Reagenzglas-Embryos einer Leihmutter eingepflanzt worden sind? Ausgetragen irgendwo auf der Welt, vielleicht im preisgünstigen globalen Süden? Nicht nur Homo-Paare, auch Hetero-Paare und Einzelpersonen nutzen ausländische Dienste von Agenturen für die medizinisch-technische Fortpflanzung und von Leihmüttern im Ausland.

Lesbenpaare im Vorteil
Bei Lesbenpaaren ist die Situation anders gelagert, denn eine der Frauen kann sich mit einer Samenspende befruchten lassen. Sie ist die leibliche Mutter, die wichtige Mutter-Kind-Beziehung ist gegeben. Hingegen ist eine Vater-Kind-Beziehung nicht gewährleistet.

Aufhebung Adoptionsverbot für gleichgeschlechtliche Paare
Bei gleichgeschlechtlichen Paaren bringt ein Partner mitunter Kinder aus einer früheren Ehe oder uneheliche Kinder mit. Bei einer Adoption durch den anderen Partner würde vermutlich die Verwandtschaft zum leiblichen Vater oder zur leiblichen Mutter erlöschen. Die Aufhebung des Adoptionsverbotes ist ein weiteres komplexes Thema, dies nur am Rande erwähnt.

Leihmutterverdienst
Wenn Leihmütter meinen, sie könnten sich ihr Leben durch Leihmutterschaft substanziell/finanziell verbessern, bleibt die Frage: Soll es möglich sein, alles, auch existenzielle Vorgänge wie Schwangerschaft und Geburt, also auch ein Kind zur Ware zu machen und Geld dafür zu bekommen, um sich andere Güter kaufen zu können?

Risiko Leihmutterschaft
Ein fremdes Kind auszutragen, hat auch auf die gebärende Frau einen tiefgreifenden Einfluss, sowohl medizinisch als auch psychologisch. Obwohl es sich bei Leihmüttern um Risiko-Schwangerschaften handelt, liegen kaum Studien über die kurz- und langfristigen seelischen und körperlichen Folgen von Mutter und Kind vor.

Angebote von Agenturen
Zitate aus der Werbung:
«Und es hängt nicht nur (davon) ab, dass die Kosten für Leihmutterschaft in der Ukraine dadurch im Durchschnitt 2–3 mal billiger ausfallen werden als in den EU-Ländern. Frauen aus der Ukraine haben eine ausgezeichnete Fortpflanzungsfunktion, ihr Körper ist in der Lage, gesunde, harmonisch entwickelte Babys zu ertragen und zur Welt zu bringen.»

Eine andere Agentur schreibt:
«Es ist auch möglich, dass Eltern die gefrorenen Embryonen verschicken. In diesem Fall müssen Eltern, die gefrorene Embryonen zur Leihmutterschaft transferieren, nur einmal nach Georgien reisen, um ihr Baby abzuholen.»

Agenturen führen im Internet umfangreiche Listen von jungen Frauen, auf denen Eizellenspenderinnen verschiedenster Phänotypen (Erscheinungsbilder) mit Fotos und Beschreibungen physiologischer Merkmale angeführt sind und gegen Bezahlung ausgesucht werden können. Von Normalen, Schönen bis Hochintelligenten können Eizellen
für eine Befruchtung im Labor bestellt werden. Die Leihmütter, denen dann die befruchteten Eizellen einer Eizellenspenderin eingesetzt werden und das fremde Kind austragen und gebären, hinterlassen keine genetischen Spuren im Kind. Sie sind deshalb meist weniger relevant, weil nur Mittel zum Zweck. Leihmutterschaft ist ein international florierendes Geschäft – weniger für die Leihmütter selbst, vielmehr für die Agenturen der Leihmütter, Fruchtbarkeitskliniken und Anwälte. Es gibt jedoch viele Staaten, in denen Leihmutterschaft verboten ist.

Einbindung der Bevölkerung
Bei einer allfälligen Ausdehnung der Stiefkindadoption für eingetragene Partner und Behebung der Regelungslücke für die medizinische Fortpflanzung soll oder muss eine umfassende rechtliche und politische Diskussion – unter Einbindung der Bevölkerung in Liechtenstein – stattfinden. Auch die Inanspruchnahme medizinischer In-vitro-Fertilisation (IVF) und Nutzung von Leihmüttern im Ausland durch hiesige Wunscheltern muss kritisch hinterfragt und gesetzlich geregelt werden.

Die Vor- und Nachteile, speziell für die betroffenen Kinder, sind in einem ganzheitlichen Licht zu erfassen. Und auch der Stellenwert der traditionellen Familie in Liechtenstein muss berücksichtigt werden. Es sollen nicht Kinderwünsche durchkreuzt, aber dem Kindeswohl muss grösste Aufmerksamkeit geschenkt werden und soll vor dem Anspruch der Wunscheltern stehen.

Kommentare

Dieser Artikel hat noch keine Kommentare.

Kommentar hinterlassen

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.