LIEWO – Frage der Woche

Braucht es explizite Verbote für Elterntaxis?
Den Schulweg selbstständig zu meistern, ist ein Meilenstein für jedes Kind. Doch oft verunsichern Gefahrenstellen die Eltern. Im Februar lancierten die Vereine Moveable und Fussverkehr Schweiz sowie der «Beobachter» die nationale Plattform «schulweg.ch», um den Schulweg der Kinder sicherer zu gestalten. Besonders kritisch wird die Situation auf dem Schulweg dort, wo Autos und Kinder auf engem Raum zusammentreffen, wie zum Beispiel, wenn Kinder mit dem Auto zur Schule gefahren werden. Das ist kein neues Phänomen. Schulen in der gesamten Region versuchen seit Jahren, die Situation zu entschärfen. Altstätten (SG) hat nun reagiert: Elterntaxis sind auf den Parkplätzen der Schulareale nicht mehr erlaubt, ein klares Verbot mit entsprechender Beschilderung wurde ausgesprochen.

LIEWO, Sonntag, 05.04.2026

Mehr Eigenverantwortung statt Verbot: Den Schulweg gemeinsam sicher gestalten

Ich verstehe das Anliegen hinter dem Verbot von Elterntaxis und erkenne das Problem durchaus: Gerade rund um Schulareale entstehen gefährliche Situationen, wenn viele Autos und Kinder auf engem Raum zusammentreffen. Dennoch bin ich kein Befürworter eines generellen Verbots. Vielmehr sollte man differenziert hinschauen und auf Bewusstseinsbildung sowie Anreize setzen.

Bereits vor rund 30 Jahren haben wir uns an der Primarschule in Schaan intensiv mit genau diesem Thema auseinandergesetzt. Damals ging es darum, den Schulweg sicherer zu gestalten und gleichzeitig die Kinder zu motivieren, diesen eigenständig zu Fuss zurückzulegen. Der Schulweg ist aus meiner Sicht nach wie vor von grosser Bedeutung – nicht nur im Hinblick auf Bewegung, sondern auch für den sozialen Austausch unter den Kindern sowie für das Erleben der Natur und der Jahreszeiten.

Kinder verfügen über viel Energie, und der morgendliche Schulweg bietet eine ideale Möglichkeit, diese sinnvoll abzubauen und gut vorbereitet in den Unterricht zu starten. Umso wichtiger ist dies, wenn man bedenkt, dass gemäss einer Studie des LOC viele Kinder sich heute weniger als eine Stunde pro Tag bewegen – eindeutig zu wenig, was langfristig auch gesundheitliche Folgen wie Übergewicht begünstigen kann.

Schulen und Gemeinden können hier viel bewirken, indem sie gezielt Anreize schaffen und aktiv kommunizieren, wie wertvoll es ist, wenn Kinder zu Fuss, mit dem Roller oder dem Fahrrad zur Schule kommen. In einigen Gemeinden in Liechtenstein gibt es zudem bereits Schulweg-Lotsen an kritischen Verkehrspunkten wie Zebrastreifen, was die Sicherheit zusätzlich erhöht.

Statt eines strikten Verbots plädiere ich daher für einen Appell an die Eltern und kreative Lösungen – etwa Projekte, bei denen Kinder Punkte sammeln können, wenn sie den Schulweg ohne Auto bewältigen. Gleichzeitig darf nicht ausser Acht gelassen werden, dass es auch Ausnahmen geben muss, etwa für Kinder mit körperlichen Einschränkungen oder Verletzungen, die auf einen Fahrdienst angewiesen sind.

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