LIEWO – Frage der Woche
Wie bewerten Sie die neue Lohnstatistik?
Gemäss einer neuen Statistik ist der Medianlohn in Liechtenstein seit 2022 um über fünf Prozent (359 Franken) gestiegen. Ebenfalls hat sich seither die Differenz zwischen den Frauen- und Männerlöhnen um 1,8 Prozentpunkte verringert. Während Frauen zwar aufholen, bestehen weiterhin Unterschiede zwischen Geschlechtern, Arbeitsmodellen und Wohnorten, schreibt das Amt für Statistik. Der Medianlohn der Beschäftigten mit inländischem Wohnsitz lag im Jahr 2024 insgesamt 3,5 Prozent tiefer als derjenige der Zupendler. Die Hälfte der liechtensteinischen Bevölkerung verdiente im Jahr 2024 mehr als 7401 Franken. Acht Prozent verdienen mehr als 14 000 Franken.
LIEWO, Sonntag, 26.04.2026
«Wo bleiben unsere gut ausgebildeten Leute?»
Die Lohnstatistik 2024 zeigt klar: Grenzgänger verdienen weiterhin mehr als Beschäftigte mit Wohnsitz in Liechtenstein. Dieses Lohngefälle besteht bereits seit 2014 und ist deshalb ein strukturelles Problem. In unserer Wirtschaft und Verwaltung werden oft und zunehmend gut bezahlte Stellen von Grenzgängern besetzt.
Da stellt sich die Frage: Wo bleiben unsere gut ausgebildeten jungen Leute? Sind sie nach ihrem Studium in der heimischen Wirtschaft überhaupt gefragt? Oder werden die Stellen in Forschung, Entwicklung, Management und Verwaltung nicht doch allzu häufig mit auswärtigen Personen besetzt, obwohl es junge, hervorragend ausgebildete Liechtensteiner gäbe?
Hinzu kommt: In den Führungsetagen der Unternehmen sind kaum noch Inländer zu finden. Und wenn Führungspositionen einmal mit Ausländern besetzt sind, geben diese oftmals wiederum Ausländern den Vorrang. Diese Erfahrung ist vielen Liechtensteinern nicht fremd. Doch ist diese Rechnung – immer mehr Arbeitsstellen mit Grenzgängern zu besetzen – langfristig wirklich tragfähig? Zupendler zahlen in Liechtenstein entweder gar keine oder nur eine Quellensteuer von rund 4 Prozent. Eine Verwaltung, die deutlich schneller wächst als die Wirtschaft, lässt sich auf diese Weise mittelfristig nicht finanzieren.
Zum Vergleich: In Luxemburg, wo zwei Drittel der Arbeitsstellen von Grenzgängern besetzt sind, sind die gut bezahlten und sicheren Stellen der öffentlichen Hand praktisch exklusiv den Luxemburgern vorbehalten («Tages-Anzeiger», 20.4.2026).
Bei uns sieht es leider ganz anders aus: Gut bezahlte Stellen, sensible Daten und Vorarbeit für politische Prozesse sind zunehmend in ausländischen Händen. Höchste Zeit, sich diesbezüglich Gedanken zu machen.
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