Spare in der Zeit, so hast du in der Not

Die Aussage «Spare in der Zeit, so hast du in der Not» ist eine Volksweisheit und kommt alsdann auch nicht von ungefähr. Allzu oft und speziell im politischen Geschäft ist man in wirtschaftlich florierenden Jahren dazu geneigt, im Überschwang der Eindrücke und des Wohlbefindens die staatlichen Ausgaben zu intensivieren und auszudehnen. Derartige staatliche «Wirtschaftsförderprogramme» sind jedoch gerade in diesen florierenden Jahren absolut nicht notwendig und somit fehl am Platz. Vielmehr wäre anstelle dessen Sparen angesagt, denn die Historie zeigt uns klar auf – so auch die aktuelle Covid-19- Krise –, dass im Konjunkturzyklus nach einer Hochkonjunktur ein Abschwung und eine Tiefphase folgt.

Aktuell befinden wir uns dann auch im Abschwung, und dies ist der weltweit einhergehenden Covid-19-Pandemie geschuldet. Viele Staaten und so auch Liechtenstein haben aktuell und in den zurückliegenden Monaten einen «Lockdown» verordnet, wovon viele Branchen und deren zugeordnete Mitarbeiter in der Berufsausübung und in der Folge finanziell stark betroffen sind. Die Staaten – auch Liechtenstein – versuchen mit div. Abfederungsmassnahmen wie Kurzarbeit, zinslose Darlehen etc. ein Überleben der Unternehmungen wie auch eine weitergehende Anstellung der Mitarbeiter sicherzustellen. All dies erfordert von den betroffenen Staaten eine enorme finanzielle
Unterstützung und konfrontiert diese Staaten mit einem noch nie dagewesenen Schuldenberg. Liechtenstein befindet sich diesbezüglich in einer noch komfortablen Situation, können wir doch derzeit auf Staatsreserven in der Höhe von CHF 2,2 Mrd. (per Ende 2019) zurückgreifen.
CHF 2,2 Mrd. stellen jedoch nicht allzu viel Reserven dar, angesichts der aktuellen Covid-19-Krise und des noch nicht absehbaren Krisenendes.

Durch die Covid-19-Krise und der damit verbundenen Impacts auf die Wirtschaft ist in den kommenden Jahren auch mit einem beträchtlichen Einschnitt bei den staatlichen Steuereinnahmen zu rechnen. Die abtretende Regierung hat somit für die kommenden Jahre (bis 2024) in der Haushaltsplanung ein jährliches betriebliches Defizit von
annähernd CHF 100 Mio. eingeplant. Auf Grundlage dessen ergibt sich in Summe bis zum Jahr 2024 ein geplantes betriebliches Defizit von CHF 374 Mio. (dies wurde von der Regierung eher konservativ angesetzt).

Die Parlamentarier der zur Neige gehenden Landtagslegislatur haben in den zurückliegenden Monaten zudem noch Investitionsmittel/Aufwände von insgesamt CHF 473 Mio. freigegeben (dies ohne die S-Bahn, wohlgemerkt). Andererseits sind die verantwortlichen staatlichen Stellen damit befasst, die angesparten finanziellen Mittel möglichst gewinnbringend auf den internationalen Finanzmärkten anzulegen. Dahingehend gilt es jedoch festzuhalten, dass sich die Finanzmärkte zwischenzeitlich grundlegend von der Realwirtschaft abgekoppelt haben, ansonsten wäre folgende Schlagzeile bzw. reale Feststellung nicht möglich:

Die Firma Tesla hat bis anhin noch keinen Jahresabschluss mit einem Gewinn ausweisen können, soll dann jedoch mehr an Wert besitzen als BMW, Daimler und VW zusammen!

Dies soll aufzeigen, dass an den Finanzmärkten mit erheblichen Verzerrungen agiert und gehandelt wird, und dementsprechend sind auch die Investitionsrisiken beträchtlich hoch. Nachfolgende Darstellungen des DAX (Deutscher Aktien Index) und des Dow Jones (USA, Wall Street) sollen aufzeigen, wie rasch > 35% an Investitionsmitteln vernichtet sein können –> erster Impact war 2008/09 die Finanzkrise, zweiter Impact 2020 war die Covid-19-Krise:

Ebenfalls ist anzumerken, dass nebst den Staatsreserven auch ein

Grossteil der AHV-Gelder und unser aller Pensionskassen-Gelder (gut diversifiziert –> in unterschiedliche Anlagevehikel investiert) an diesen Finanzmärkten veranlagt bzw. investiert sind. Mit all den damit einhergehenden Risiken, Ups and Downs, und dies muss uns allzeit bewusst sein!

Die Staatsreserven von CHF 2,2 Mrd. können so schnell aufgebraucht sein oder durch Investitionsrisiken erheblich erodieren. Für die Finanzperiode 2020–2024 plant die Regierung mit einem betrieblichen Defizit von CHF 374 Mio. und mit Bruttoinvestitionen von CHF 338 Mio. Verrechnet mit den geplanten Erträgen aus den Reserven von 98 Mio.
pro Jahr, resultiert bis Ende 2024 ein Mittelabfluss von CHF 73 Mio. Tritt dazu noch eine Kurskorrektur an der Börse von -35% ein, können sich die «gefühlten komfortablen» Staatsreserven von CHF 2,2 Mrd. in wenigen Jahren stark reduzieren, wenn nicht sogar gänzlich verflüchtigen! Deshalb gilt in Bezug auf den Staatshaushalt und die Staatsreserven mehr denn je «Spare in der Zeit, so hast du in der Not». Diese Volksweisheit sollten sich die zukünftigen Landtagsabgeordneten und auch die neu konstituierte Regierung zu Herzen nehmen und bei ihrem politischen Tun und Handeln fortwährend vor Augen führen!

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