C-19: Sechs Jahre danach – und keine Aufarbeitung?

Sechs Jahre nach Beginn der Corona-Pandemie stellt sich eine einfache Frage: Wird diese Zeit ernsthaft aufgearbeitet – oder einfach verwaltet?

Text: Achim Vogt

Die Antworten der Regierung auf eine Kleine Anfrage im März lassen daran zweifeln. Statt einer inhaltlichen Auseinandersetzung dominieren formale Verweise: Zuständigkeiten, rechtliche Abgrenzungen, fehlende Bindungswirkung ausländischer Urteile. Das mag juristisch korrekt sein – ersetzt aber keine politische Verantwortung.

Dabei ist festzuhalten: Die aufgeworfenen Fragen sind brisant und beschäftigen nach wie vor viele Bürger Liechtensteins. Umso bemerkenswerter ist, dass eine breitere mediale Auseinandersetzung mit diesen Themen bislang nicht stattfindet.

So wird etwa ein Moratorium für modRNA-Impfstoffe mit dem Hinweis abgetan, die Diskussion finde «ausschliesslich in der Schweiz statt» und es bestehe «kein Anlass». Eine inhaltliche Auseinandersetzung mit möglichen Risiken oder offenen Fragen bleibt aus.

Auch in der Frage steigender Gesundheitskosten wird kein Zusammenhang zur Pandemiepolitik hergestellt.

Ähnlich zurückhaltend zeigt sich die Regierung bei der Frage nach Corona-Bussen. Eine Rückerstattung wird nicht grundsätzlich geprüft, sondern an hypothetische Gerichtsurteile geknüpft. Eine aktive politische Bewertung bleibt aus.

Bei den Impfstoffverträgen verweist man darauf, dass Schweizer Urteile für Liechtenstein nicht bindend seien. Ob dennoch Transparenz hergestellt werden soll, bleibt offen – zunächst müsse man «rechtlich abklären».

Und schliesslich: Eine unabhängige Meldestelle für Betroffene wird als unnötig erachtet, da bestehende Strukturen ausreichen würden. Doch gerade diesbezüglich stellt sich die Frage, ob informelle Kanäle eine echte Aufarbeitung ersetzen können.

Der Tenor ist klar: kein akuter Handlungsbedarf, keine strukturelle Aufarbeitung, keine erkennbare Selbstreflexion.

Dabei wäre genau das jetzt notwendig.

Die Pandemie war ein tiefgreifender Eingriff in Gesellschaft, Wirtschaft und persönliche Freiheitsrechte. Wer heute nur auf Verfahren verweist, ohne Inhalte zu diskutieren, verpasst die Chance auf Vertrauen.

Denn ohne echte Aufarbeitung bleibt am Ende vor allem eines: offene Fragen.

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