Gut gemeint ist nicht immer richtig

Zwischen der Theorie und der Realität im Alltag klafft oft eine sichtbare Lücke. Besonders im Bildungsbereich zeigt sich dieses Spannungsfeld deutlich. Was auf dem Papier logisch, fortschrittlich und gut gemeint erscheint, stösst in der Praxis auf schier unüberwindbare Hürden wie begrenzte Ressourcen, menschliche Vielfalt oder Rahmenbedingungen, welche der Umsetzung der Theorie gegenüberstehen. Die Politik muss darauf reagieren, immer jedoch mit der nötigen Empathie und Weitsicht unseren Kindern und Jugendlichen gegenüber.

Text: Marion Kindle-Kühnis

KLASSENGRÖSSEN ZUM WOHLE DER KINDER REDUZIEREN

Bei den letzten Sparmassnahmen, die unser Staat umgesetzt hat, war auch der Bildungssektor betroffen. Als Folge wurde die Zahl der Kinder pro Klasse nach oben gesetzt. Jetzt, da viele Sparmassnahmen nach guten Jahren der Staatseinnahmen wieder rückgängig gemacht wurden, haben wir immer noch die gleiche Maximalzahl. Aber selbst wenn die Staatseinnahmen wieder zurückgehen:

BEI UNSEREN KINDERN DARF NICHT GESPART WERDEN!

Sie sind die wertvollste Ressource, die wir haben. Jede Schule und jede Klasse in diesem Land ist unterschiedlich, und es kommt stark auf die Zusammensetzung der Klasse an, ob das Lernen gelingt. Deshalb sollte man aus meiner Sicht auf eine Maximalzahl von 22 Schülern zurückgehen. Eine angemessene Klassengrösse ist ausserdem ein wichtiger Rahmenfaktor für eine gezielte, individuelle Potenzialentfaltung der Kinder und Jugendlichen. Klassengrösse und Klassenzusammensetzung haben immer auch einen Effekt auf die positive Lern- und Lehratmosphäre.

DIVERGENZ VON THEORIE UND PRAXIS BEIM THEMA INKLUSION

Wir dürfen nicht vergessen, dass unsere Gesellschaft in den letzten Jahrzehnten bunter geworden ist, und dies will man nun auch im Schulalltag leben, ganz unter dem Motto Inklusion statt Exklusion. Was in der Theorie wunderbar klingt und auch sehr fortschrittlich ist, fordert aber das System bis an sein Limit.

Viele Kantone in der :contentReference[oaicite:0]{index=0} sind schon wieder einige Schritte vom Ansatz der Inklusion zurückgegangen. Sie haben gemerkt, dass Konzepte, die erstrebenswert wären, an ihre Grenzen stossen, sobald sie in heterogenen Klassen, unter Zeitdruck oder mit unzureichenden Unterstützungsstrukturen umgesetzt werden sollen.

Wegen des inklusiven Ansatzes wurden wichtige ergänzende und etablierte Massnahmen, wie z. B. die Einführungsklasse auf der 1. und 2. Schulstufe, abgeschafft. Dabei wäre sie für so viele Kinder von grösster Wichtigkeit, weil man ihnen damit Zeit gibt für ihre Entwicklung und das Lernen. Dort gibt es kein gut oder schlecht, sondern einfach nur mehr Zeit in einem kleineren, adäquaten Setting.

Es ist heute praktisch ein Ding der Unmöglichkeit, allen Schülern in einer Klasse gerecht zu werden. Je heterogener eine Klasse ist, desto anspruchsvoller ist der proklamierte inklusive Ansatz für die Lehrpersonen. Verlangen wir da nicht zu viel von ihnen?

Als Mutter zweier schulpflichtiger Kinder erlebe ich dieses System hautnah, und was mir das System auf den unterschiedlichsten Ebenen zeigt, ist, dass es praktisch keinem gerecht wird. Nicht den Kindern, nicht den Lehrpersonen und auch nicht den Eltern.

Klammern wir uns da nicht zwanghaft an etwas, das von allen zu viele Ressourcen beansprucht?

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