Neubau Landesspital im Ja-Nein-Clinch

Zurzeit wird heftig darüber diskutiert, ob ein Landesspital für 65,5Mio. Franken gebaut werden soll oder nicht – und wenn ja, wo. Ist das Wille-Areal der richtige Standort? Es gibt Leute, die der Meinung sind, dass wir kein eigenes Spital brauchen, wir hätten schliesslich Vertragsspitäler wie Grabs, Chur, St. Gallen oder Feldkirch usw. Wir sollten mit ihnen kooperieren, dann bräuchten wir kein eigenes Spital. Fakt ist, dass das LLS «in die Jahre gekommen» ist. Es sind Sanierungsarbeiten nötig, bei denen niemand genau weiss, was sie kosten würden. Fakt ist auch, dass ohne eigenes Spital die Kosten exportiert werden müssen. Arbeitsplätze gehen verloren, «gute Mediziner» würden das Land verlassen. Ob Patienten, Prämien- und Steuerzahler dies wirklich wollen, steht offen. Jedes Land, sei dies noch so klein, hat ein eigenes Spital für die Grundversorgung. Aber was gehört zu einer Grundversorgung? Notfallstation (365 Tage im Jahr rund um die Uhr mit ausgebildeten Notfallärzten); Innere Medizin (Allgemeine Innere Medizin, Onkologie, Neurologie, Radiologie, Gastroenterologie, Angiologie, Pneumologie, Palliative Care); Chirurgie inkl.
Anästhesie (Allgemein-Viszeral-, Gefäss-, Kiefer- und Unfallchirurgie, Orthopädie, Urologie, HNO, Gynäkologie) und eine Geburtenstation (laut Ärzteliste haben wir 6 Gynäkologen). Mehr Info siehe Broschüre des Landesspitals «Leistungsspektrum». In dieser Broschüre ist eine Geburtenstation nicht aufgeführt.

Grundversorgung statt Profit im Vordergrund
Wir müssen uns auch darüber im Klaren sein, dass ein Landesspital mit der Grundversorgung keinen Profit abwerfen
wird, auch dann nicht, wenn wir ein neues Spital bauen. Fallzahlen zu erhöhen, dürfte nicht im Vordergrund stehen. Es geht in erster Linie um die Grundversorgung. Schwere und komplizierte Krankheitsfälle müssen weiterhin in Spezialkliniken behandelt werden. Zurzeit sind im LLS 8 Ärzte, 4 Chirurgen, 1 Anästhesist sowie 52 Beleg- und Konsiliarärzte (davon 13 Zahnärzte) beschäftigt (siehe Webseite landesspital.li). Das LLS ist auf
Zuweisungen der Ärzte angewiesen. Laut Ärzteliste (siehe Webseite vom Amt für Gesundheit) haben wir 128 Ärzte
im Land. Fakt ist auch, dass wir in Anbetracht der demografischen Entwicklung in Zukunft mehr ältere Menschen
haben werden. Bekanntlich kommen mit dem Alter auch zahlreichere Beschwerden zutage, die nicht selten einen
Aufenthalt im LLS erfordern. Bekannt ist ebenfalls, dass ältere einheimische Patienten das Landesspital schätzen.
Natürlich gibt es Patienten, die nicht zufrieden waren und nicht mehr ins LLS wollen. Dies kann aber auch auf andere
Spitäler zutreffen.

Viele Fragen erfordern Transparenz
Wenn das Volk abstimmen soll, möchte es verständlicherweise wissen, was es für die budgetierten 65,5Mio. «bekommt». Wie viele Zimmer, Einbett- oder Mehrbettzimmer, welche
Anzahl Operationssäle? Intensivstation ja oder nein? Wie viele Ärzte inkl. Fachärzte werden beschäftigt? Braucht es eine Notfallstation mit ausgebildeten Notfallärzten? Was ist sonst noch integriert (Apotheke, Physiotherapie usw.)? Kommen ausser dem Wille-Areal noch andere Standorte in Frage? Was spricht dafür und was dagegen? Wie wird die Kooperation mit dem Spital Grabs bzw. mit den anderen Vertragsspitälern aussehen? Transparente Aufklärungsarbeit ist dringend nötig, damit das Volk entscheiden kann, ob es für oder gegen ein neues Spital abstimmen soll.

Kommentare

Dieser Artikel hat noch keine Kommentare.

Kommentar hinterlassen

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.