Universität Liechtenstein – Regierung nimmt Oberaufsicht nicht wahr

In der letzten «transparent»-Ausgabe vom November 2021 haben wir auf die hohe Personalfluktuation und ein toxisches Klima an der Uni Liechtenstein hingewiesen. Auf diesen Artikel gab es dann aus dem Umfeld der Uni einige Rückmeldungen, die diesen Sachverhalt mehr als bestätigten.

Trotz klar vorgetragener Forderung an die zuständige Bildungsministerin Dominique Hasler, aktiv zu werden, ist diese bislang untätig geblieben. Im Gegenteil, bis jetzt hat sie versucht, ihre schützende Hand über alles zu halten. Nicht verwunderlich, denn hier spielt auch Parteipolitik eine Rolle.

Gesetzeswidrige Bestellung des Rektors
Markus Jäger wurde Ende April 2021 vom Universitätsrat, präsidiert von Ex-Regierungschef Klaus Tschütscher, zum Vorsitzenden des Rektorats ernannt, ohne dass diese Stelle, wie im Universitätsgesetz (LUG) Art. 12 Abs. 1 vorgeschrieben, zuvor öffentlich ausgeschrieben wurde. Auf eine kleine Anfrage im November-Landtag hin antwortete die zuständige Bildungsministerin Dominique Hasler sinngemäss, dass sämtliche Stellenbesetzungen an der Universität Liechtenstein entlang der geltenden Rechtsgrundlagen (Universitätsgesetz, Berufungsordnung sowie Dienst- und Besoldungsordnung) erfolgen.
Im Nachgang haben wir die Ministerin Hasler noch einmal schriftlich auf den möglichen Gesetzesverstoss hingewiesen. Dazu meinte sie nur, dass der Vorwurf weitreichend sei und der Rektor gemäss Auskunft des Universitätsrats nur interimistischer Rektor sei.

Wer sagt hier die Unwahrheit?
Fakt ist, dass Markus Jäger in sämtlichen öffentlichen Auftritten und Pressemitteilungen der Universität Liechtenstein der letzten Zeit als «Rektor» bezeichnet wird (z.B. VL 7.12.2021). Auch erfolgte ein entsprechender Eintrag unter dem Titel Rektor im Handelsregister. Jetzt zu behaupten, dass er nur «Ad-interim»-Rektor sei, ist mehr als kühn und ganz offensichtlich ausschliesslich dem erzeugten öffentlichen Druck geschuldet. Mit seiner Darstellung führt der Universitätsrat die Öffentlichkeit und natürlich auch den Landtag bewusst an der Nase herum. Dass die kolportierte
Version von Bildungsministerin Dominique Hasler und des Universitätsrats nicht stimmt, lässt sich auch daran erkennen, dass Prof. Peter Staub, der das Rektorat nach dem überraschenden Weggang von Rektor Jürgen Brücker zwischendurch leitete, immer als «Rektor ad interim» auftrat und in dieser Zeit auch nicht als Rektor im Handelsregister eingetragen war.

Regierung nimmt Oberaufsicht nicht wahr
Bleibt zu erwähnen, dass sowohl die Wahl als auch die Abberufung eines Rektors gemäss Punkt 4.3 der Eignerstrategie nur in einer Absprache mit dem Ministerium zu erfolgen hat. Sich jetzt also auf den Standpunkt zu stellen, ich heisse «Has(l)e(r)» und weiss von nichts, ist ungenügend.

Die mit der DpL-Intervention erreichte Publizität in dieser Angelegenheit hat immerhin dazu geführt, dass der Universitätsrat langsam zurückkrebst und sich bemüssigt sah, eine Ausschreibung des Rektoratspostens vage für das dieses Jahr anzukündigen. Ohne diese Intervention wäre die operative Universitätsleitung wohl am liebsten zum «Tagesgeschäft» übergegangen.

Wer interessiert sich für diesen «Schleudersitz»?
Welche Persönlichkeit sich allerdings für den Rektoratsposten, sprich: Schleudersitz, nach den Vorkommnissen und dem grossen Reputationsverlust der letzten zwei Jahre noch interessiert, wird sich noch weisen müssen. Laut Tschütscher ist die gesamte Governance-Struktur von Universitätsrat und Rektorat im Vergleich zu anderen Ländern einzigartig. Fragt sich, auf welche Hochschule oder welches Unternehmen sich diese Aussage bezieht. Ein Merkmal dieser (neuen) Governance-Struktur ist wohl die hohe Personalfluktuation, zwei geschlissene Rektoren und prominente Abgänge im Lehrkörper in der jüngeren Zeit; auch das hat der Universitätsrat zuletzt tatsachenwidrig in Abrede gestellt.

Gesetz und Statuten gelten für Universitätsrat nicht
Auch die derzeitige Zusammensetzung des Rektorats wirft grössere Fragen auf. Gemäss Statuten müsste das Rektorat als Kollegialorgan aus einem Rektor, einem Prorektor für Lehre, einem Prorektor für Forschung und einem Verwaltungsdirektor zusammengesetzt sein. Tatsächlich besteht das Rektorat aus Rektor M. Jäger, dem Prorektor Prof. Stefan Seidel (Akademische Entwicklung), der seinen Rückzug aus dem Rektorat bereits angekündigt hat, Andreas Müller (Verwaltungsdirektor) und Prof. Dr. Monika Pfaffinger (Governance und Kultur). Somit ist das Rektorat in dieser Form bezüglich der Funktionen nicht statutenkonform.

Gab es dazu je eine öffentliche Ausschreibung?
Speziell ist, dass Monika Pfaffinger «nur» gewähltes Mitglied des Universitätsrats ist. Sie nimmt jedoch seit Kurzem Einsitz im Rektorat. Ihre bisherige Funktion im Universitätsrat wird auf der Webseite als «ruhend» bezeichnet, ihr Rückzug aus dem Universitätsrat wurde – wiederum erst auf öffentlichen Druck hin – in Aussicht gestellt. Die Vermischung von strategischer und operativer Führung wirft weitere Governance Fragen auf. Oder will der Universitätsrat bereits jetzt den Weg für Frau Pfaffinger als kommende Rektorin bahnen?

Prorektorin müsste berufene Professorin sein
Interessant scheint auch die Tatsache, dass sie bereits als Professorin der Universität Liechtenstein geführt wird. Gab es dazu je eine öffentliche Ausschreibung? Hat sie der Universitätsrat nach einem öffentlichen Berufungsverfahren gewählt? Erhält sie nun als Professorin der Universität Lohn ausgezahlt? Oder will man einfach überspielen, dass Frau Pfaffinger Professorin einer ausländischen Bildungseinrichtung ist und das Amt einer Prorektorin nach den Statuten eigentlich nur mit einer gewählten Professorin der Universität Liechtenstein besetzt werden darf? Auch all dies wird von der mit der Oberaufsicht betrauten Regierungsrätin Dominique Hasler toleriert.

Toxisches Klima, Regierung kalkuliert mit Abgängen
Besonders nachdenklich stimmt der an uns herangetragene Vorwurf, dass an der Uni ein toxisches Klima des Misstrauens und Konkurrenz vorherrsche und der Teamgeist über die Gesamtheit der Uni nicht mehr vorhanden sei. Diesen Vorwurf haben wir am 18. November an die Bildungsministerin Hasler weitergegeben. Diese beschwichtigt daraufhin, dass die Uni sich in einer wichtigen Transformationsphase befinde, um die Wettbewerbs- und Konkurrenzfähigkeit der Universität zu gewährleisten und die Universität zukunftsfähig zu machen. Ziele hierbei seien beispielsweise die Professionalisierung, die Qualitätssteigerung in Lehre, Forschung, Wissenstransfer und Weiterbildung sowie die Stärkung der Governance; ein Ausdruck, der an sich in der Finanzindustrie
gebräuchlich ist, nicht aber im Bildungswesen.

Diese Professionalisierung solle letztlich einem effizienten Mitteleinsatz dienen, der im Umgang mit öffentlichen Geldern geboten sei, obwohl die Universität schon nach geltendem Recht zu Sparsamkeit und Effizienz verpflichtet ist. Dass solche Prozesse auch Auswirkungen auf das Personal haben, sei hinlänglich bekannt, so die Ministerin.

Drittmitteleinnahmen wären wichtig
Hier stellt sich nur die Frage, ob Blauäugigkeit oder Kalkül im Spiel ist. Augenscheinlich ist nämlich genau das Gegenteil der Fall. Die Aufwendungen der Universität steigen seit dieser wiederholt eingeläuteten Transformationsphase unter Klaus Tschütscher. Gleichzeitig können in einem solchen Klima die Drittmitteleinnahmen nicht steigen; kein Wunder, wenn arrivierte Forscher(innen) die Universität verlassen. Erst jüngst hat eine weitere Professorin ihren Abschied von der Universität bekanntgegeben.

Kosten laufen aus dem Ruder
Im Jahr 2018 betrugen die Kosten für den Universitätsrat noch CHF 58’535. Diese Kosten sind für das Jahr 2020 auf CHF 152’850 angestiegen. Dass die Ausgaben für den Universitätsrat und die Personalkosten zu Lasten des Lehrkörpers massiv gestiegen sind, wird offenbar genauso wie das fragwürdige Aufblähen der Administration in Relation zum Lehrkörper bewusst hingenommen. Es ist jetzt schon absehbar, dass der vom Land gesprochene jährliche Beitrag von CHF 16 Mio. zukünftig bei Weitem nicht mehr reichen wird.

Ist die Uni in dieser Form das Richtige für unser Land?
Für einmal mehr stellt sich die Frage, ob eine Universität in dieser Form die richtige Institution für unser Land und unsere Wirtschaft ist. Es stellt sich immer mehr heraus, dass das Kleid, das der ursprünglichen Fachhochschule verpasst wurde, nicht so recht passt. Neue Optionen, wie z.B. eine Rückkehr zu einer Fachhochschule oder andere Hochschulmodelle, sollten deshalb ernsthaft in Erwägung gezogen werden. Auch eine Zusammenlegung mit anderen Bildungsinstitutionen, z.B. Fachhochschule OST, ist ein Option. So könnten Administrationskosten eingespart werden.

Kommentare

Dieser Artikel hat noch keine Kommentare.

Kommentar hinterlassen

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert