Was für ein Verkehrsproblem löst man mit einer Fahrradbrücke?

Aktuell laufen Planungsarbeiten zu einer neuen Fahrrad- und Fussgängerbrücke im Grenzbereich Schaan-Vaduz über den Rhein nach Buchs. Mit dieser «Langsamverkehr»-Brücke sollen laut dem Verkehrs-Club Liechtenstein (VCL) Arbeitspendler von Buchs-Räfis und -Burgerau, die ihre Arbeitsstelle in Schaan und Vaduz haben, zum Umsteigen auf das Fahrrad als Verkehrsmittel angehalten werden, um die Überlastungen der Brücken in Schaan und Vaduz in Stosszeiten zu verringern. Die Kosten dieser Fahrradbrücke wurden auf 3.5 Mio. Franken geschätzt, die ausgearbeiteten Konzepte sprechen nun sogar von 4.8 Mio Franken Baukosten. Hauptauslöser dieser Investition ist das sogenannte Agglomerationsprogramm der Schweiz, ein Fonds gespiesen mit Geldern aus der Mineralölabgabe auf Treibstoffe vom motorisierten Privatverkehr. Dieser Fonds soll rund 35% der Kosten der Brücke decken, den Rest werden sich der Kanton St. Gallen und die Gemeinde Buchs auf Schweizer Seite, und das Land Liechtenstein sowie die Gemeinde Vaduz teilen. Diese Fahrradbrücke soll schon im 2018 fertiggestellt sein, nicht weil ein dringender Bedarf danach vorhanden wäre, sondern weil die Plangelder aus Bern des laufenden Agglomerationsprogramms bis dann ausgegeben sein müssen.

Zur Frage steht hier allerdings, wie viele dieser Arbeitspendler und wie oft sie neu das Fahrrad benutzen werden, wenn sie mit dieser Fahrradbrücke einen etwas kürzeren Arbeitsweg hätten. Gemäss Verkehrserhebung gibt es knapp 1000 Pendler aus der Region Buchs, die in Schaan oder Vaduz arbeiten. Schaut man sich an, wo die Arbeitsplätze in Schaan und Vaduz hauptsächlich sind, so hätten wohl höchstens 10 bis 20% irgendeinen nennenswerten Vorteil von einem solchen neuen Übergang. Zählt man alle Zupendler mit öffentlichen und privaten Verkehrsmittel ab, die nicht mit dem Fahrrad kommen wollen oder können, so bleiben realistisch wohl kaum mehr wie wenige 10 Personen übrig, die bei annehmbaren Wetterbedingungen das Fahrrad als Alternative in Betracht ziehen werden. Natürlich wäre es den Anwohnern im Grenzbereich von Schaan und Vaduz zu gönnen, eine zusätzliche Möglichkeit über den Rhein nach Räfis oder Burgerau zu erhalten, nur ist es mehr als fraglich, ob diese Fahrradbrücke auch nur ansatzweise einen merklichen Beitrag zur Lösung der Verkehrsengpässe mit rund 6000 Fahrzeugen zu Stosszeiten auf den beiden Rheinbrücken in Schaan und Vaduz liefern kann. Jedenfalls werden das die vielen Pendler, die aus verschiedensten Gründen auf motorisierte Verkehrsmittel angewiesen sind, kaum so sehen, speziell wenn dieser angepriesene «Lösungsbeitrag» noch zu grossem Anteil mit Geld aus von ihnen geleisteten Treibstoffabgaben finanziert wird, die eigentlich zweckgebunden zur Finanzierung der Strasseninfrastruktur eingesetzt werden sollten. Mit einseitigem politischen Druck wurden immer mehr Gelder aus diesen Abgaben für andere Zwecke wie öffentlichen Verkehr, Fahrradwege, etc. abgezweigt, während bei den seit Jahren bestehenden Engpässen auf der Strasse kaum nennenswerten Verbesserungen oder Erleichterungen angegangen, konkret geplant oder realisiert werden.

Vor 50 Jahren wurde die heutige Rheinbrücke in Ruggell fertiggestellt. Diese voll belastbare, zweispurige Strassenbrücke mit beidseitigem Trottoir kostete im 1966 total rund 1.85 Mio. Franken. Gemäss dem Schweizerischen Bundesamt für Statistik betrug die gesamte Teuerung seit 1966 rund 340%, d.h. die Brücke würde heute demnach auf etwas über 6 Mio. Franken zu stehen kommen. Aufgrund seit 1966 vieler neuen Vorschriften, komplizierteren Planverfahren und sonstigen behördlichen Auflagen würden die tatsächlichen Kosten zusammen mit der Bauteuerung heute um einiges höher liegen, deswegen würde allerdings wohl kaum eine bessere oder dauerhaftere Brücke entstehen.

Vor diesem Hintergrund erscheinen die 4.8 Mio. Franken für eine einfache Fahrradbrücke über den Rhein als eine sehr teure Angelegenheit, insbesondere wenn man noch deren geringen konkreten Gesamtverkehrsnutzen und den absehbar minimalen Beitrag zur Lösung der bestehenden Verkehrsengpässen auf den Rheinbrücken in Schaan und Vaduz in Betracht zieht.

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