Wenn Leistung zur Last wird – was jetzt für unsere KMU auf dem Spiel steht
Liechtenstein ist ein starkes Land. Doch seine wirtschaftliche Stärke ist kein Zufall. Sie entsteht dort, wo Verantwortung übernommen wird, wo gearbeitet, gebaut, organisiert und geführt wird. Es sind die kleinen und mittleren Unternehmen – vielfach Familienbetriebe, oft über Generationen gewachsen – die wesentlich zu dieser Stärke beitragen.
Text: Simon Schächle
Dazu gehören auch unsere Landwirtschaftsbetriebe. Sie sichern nicht nur die Versorgung, sondern sind Teil unserer wirtschaftlichen und kulturellen Identität. Diese Unternehmen stehen selten im Mittelpunkt, aber ohne sie funktioniert dieses Land nicht.
Und genau dort zeigt sich eine Entwicklung, die wir nicht länger übersehen dürfen.
SOLL LEISTUNGSBEREITSCHAFT TATSÄCHLICH ZUM RISIKO WERDEN?
Immer mehr Betriebe berichten von steigender Kontrolldichte, zunehmender Dokumentation und immer komplexeren Abläufen. Der Aufwand und die Wirkung stehen längst nicht mehr im Gleichgewicht.
Auch im Transportgewerbe zeigt sich dieses Bild. Genehmigungen werden aufwendiger, Vorgaben unübersichtlicher, Kontrollen immer unklarer. Sicherheit bleibt zentral. Doch wenn Systeme beginnen, die Arbeit selbst zu erschweren, dann ist Korrektur keine Option mehr – sondern eine Notwendigkeit.
Besonders deutlich wird die Entwicklung bei der Arbeitszeit. Viele Betriebe arbeiten nicht gleichmässig. Es gibt Phasen mit hoher und mit tiefer Auslastung. In Phasen hoher Auslastung wäre es sinnvoll, vorübergehend mehr zu arbeiten – freiwillig, transparent und im Einvernehmen mit den Mitarbeitenden. Doch das geltende System orientiert sich an starren monatlichen Vorgaben. Zusätzliche Leistungsbereitschaft wird nicht gefördert, sondern zunehmend gehemmt und zum Problem gemacht.
Gerade diese Leistungsbereitschaft war und ist ein Fundament unseres wirtschaftlichen Erfolgs.
Administrative Anforderungen binden Zeit und Aufmerksamkeit und entziehen Energie genau dort, wo sie gebraucht würden. Das ist kein Nebeneffekt. Das ist ein strukturelles Problem.
DpL – INTERPELLATION ZU PROBLEMFELDERN DER KMU
Genau aus diesem Grund wurde von der DpL eine Interpellation eingereicht. Sie umfasst insgesamt 28 konkrete Fragen und greift zentrale Punkte auf, die im Alltag unserer Unternehmen längst Realität sind.
Dazu gehört etwa die Frage, welche bürokratischen Prozesse vereinfacht werden können – beispielsweise im Bereich Gastronomie und Spielanlagen, wo Betriebe heute mit einer Vielzahl an Dokumentationspflichten konfrontiert sind.
Ebenso wird thematisiert, wie bestehende Strukturen weiterentwickelt werden können, um mehr Betriebe zu entlasten und es insbesondere kleineren Unternehmen zu ermöglichen, Lehrlinge auszubilden.
Ein weiterer Schwerpunkt betrifft die Arbeitszeitregelung: Kann eine flexiblere, stärker an der Auslastung orientierte Ausgestaltung die Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit unserer KMU stärken?
Auch die Rolle des Staates wird angesprochen – insbesondere die Frage, wie sich die zunehmende Konkurrenzierung privater Unternehmen durch staatliche oder staatsnahe Strukturen auswirkt.
Nicht zuletzt geht es um die administrativen Verfahren im Arbeitsmarkt: Wie aufwendig ist der Prozess für Arbeitsbewilligungen und sind dort Vereinfachungen möglich – gerade auch für bewährte Mitarbeitende aus Drittstaaten, auf die viele Betriebe angewiesen sind.
Wenn diese Grundlage verloren geht, geht mehr verloren als Effizienz. Dann geht Zukunft verloren.
Innovation entsteht nicht durch administrative Kontrolle. Sie entsteht dort, wo Menschen gestalten können. Wo Vertrauen besteht, wo Spielraum vorhanden ist und wo sich Einsatz lohnt.
Gerade in der Digitalisierung war das Versprechen klar: Sie sollte entlasten. Die Realität in den Betrieben sieht heute anders aus. Verfahren werden digitaler, aber nicht einfacher. Der Aufwand nimmt weiter zu – im Staat und seiner Verwaltung, aber ebenso in den Unternehmen.
Ein Blick über die Grenzen zeigt, wohin eine solche Entwicklung führen kann. In Deutschland und in Teilen Österreichs ziehen sich immer mehr kleine und mittlere Unternehmen zurück. Nicht, weil es an Arbeit fehlt, sondern weil Regulierungsdichte, Bürokratie und fehlende Planungssicherheit unternehmerische Initiative Schritt für Schritt ausbremsen.
Diese Entwicklung geschieht nicht plötzlich. Sie ist schleichend – und oft irreversibel.
Liechtenstein steht heute noch anders da. Aber genau deshalb ist jetzt der Zeitpunkt zum Handeln. Nicht erst dann, wenn Strukturen bereits verloren sind, sondern jetzt – solange wir noch gestalten können.
Denn die Stärke unseres Landes liegt nicht in Systemen allein. Sie liegt in den Menschen, die Verantwortung übernehmen, die arbeiten, Risiken tragen und etwas aufbauen.
Sie brauchen verlässliche Rahmenbedingungen. Rahmenbedingungen, die ihnen ermöglichen, das zu tun, was sie am besten können:
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