Zur Geschichte der Busfarben

Die zu fahrenden Werbetafeln mutierten Lie-Mobil Busse erregen so manches Liechtensteiner Gemüt. Bis vor 18 Jahren hatten die öffentlichen Busse in Liechtenstein die gleiche ockergelbe Farbe, wie die Postautos in der Schweiz sie heute noch haben. Im Zuge von damaligen politischen Anstrengungen zum Demonstrieren von Eigenständigkeit wurde neben anderem die Liechtenstein Busanstalt (LBA) ins Leben gerufen. Wohl für die Politik(er) nicht unbedeutend, denn das bedeutete, eine Geschäftsleitung und einen ganzen Verwaltungsrat neu zu besetzen.

«Lime»-grün wurde vom VR auserwählt
Für diese Abnabelung mussten neue Busse her, keine gewöhnlichen Dieselbusse, es mussten Erdgas-betriebene sein
wie in modernen Grossstädten, samt extra dafür zu erstellende teure Erdgastankstellen (das Thema allein wäre ein eigener Artikel wert). Zum Unterstreichen der Eigenständigkeit sollten die Busse eine neue Farbe bekommen, wozu eine Umfrage in der Bevölkerung gemacht wurde. Einer deutlichen Mehrheit war’s aber gar nicht ums Ändern, sie wollte bei der bewährten ockergelben Postauto-Farbe bleiben. Das ging dem VR gegen den Strich, er bestimmte das weitab zweitplatzierte «Lime»-grün als neue Farbe. In damaligen Tageszeitungen sprach der VR von einmaligen Chancen für einen grossen Imagegewinn und Meilenstein für den öffentlichen Verkehr, ausländische Besucher würden über die Farbe sofort erkennen, dass sie in Liechtenstein sind, für die hiesige Bevölkerung sei diese Einheitsfarbe gar ein neues liechtensteinisches Identifizierungsmerkmal (Vaterland 31.8.2000).

Werbetafeln als neues Erkennungsmerkmal
Nun, im 2019 fahren auf der Hauptlinie fast nur noch Busse in allen Farben durchs Land, als prominent vollflächige
Werbetafeln, sei es für Casinos, eine Bank, einen Industriebetrieb, für Telekommunikationsanbieter, ja sogar als Standortwerbung des benachbarten Buchs. Natürlich kann eine gewisse Farbenfrohheit neben dem Einheits-«Lime»-grün heute als erfrischend empfunden werden, muss man aber gleich derart alle hehren Attribute von damals über Bord werfen? Zumindest für hergereiste Besucher wären eindeutige Erkennungsmerkmale hilfreich, wie zum Beispiel eine Frontpartie bis zum Wagenführer und Türen in der Standardfarbe.
Es könnte allerdings noch sein, dass die heutigen Werbetafelbusse einen anderen Kern vom «neu-modernen» Liechtenstein streifen: Geldmachen, Anpreisen, Vermarkten, wo früher bescheideneres Schaffen und stiller Fleiss als Tugenden standen. Dass genau daraus so einiges vom heutigen Wohlstand erwachsen ist, scheint gelegentlich mit einer modernen Vergesslichkeit verdrängt zu werden.

Kommentare

Dieser Artikel hat noch keine Kommentare.

Kommentar hinterlassen

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.