Brauchen wir zwei Tageszeitungen?

Um die Antwort vorwegzunehmen: Nein! Patrik Schädler, der neue Chefredakteur des Vaterlands, äusserte in einem Interview (LieWo 6.3.2016), dass das Vaterland eine Zeitung für alle Leser sein soll – ungeachtet ihrer Parteizugehörigkeit. Dabei denkt er daran, dass das Vaterland auch anderen Parteien vermehrt gekennzeichneten Platz zur Verfügung stellen will, um ihre Meinung anzubringen. Ich kann dies nur unterstützen und hoffe, dass er dies – auch gegen interne Widerstände – alsbald umzusetzen vermag.

Als Oppositionspolitiker konnte ich feststellen, dass das Vaterland in punkto Sachlichkeit und objektive Berichterstattung dem Volksblatt einiges voraus hat. Mit der neuen Chefredaktorin Doris Quaderer ist die Kluft diesbezüglich noch grösser geworden. Letztere nimmt sich sogar das Recht heraus, Leserbriefe nach ihrem Gusto abzulehnen. Auch versteht sich das Volksblatt klar als Sprachrohr und Propagandainstrument der regierenden FBP. Was da eine Medienförderung noch rechtfertigen soll, bleibt unbeantwortet.

Für die Medienförderung gibt das Land jährlich ca. 1.8 Mio. aus. Dazu kommen nochmals CHF 1.5 Mio. für das Radio L, das notabene nach Auffassung der «Altparteien» wegen den nicht sachlich und neutral berichtenden Parteizeitungen als «einziges neutrales Medium» erhalten werden muss. Ein Witz! Schwarz und Rot sind sich selber voll bewusst, dass ihre Leibblätter keine neutralen Medien sind, schützen sich mit ihrer Mehrheit im Landtag, ohne rot zu werden, gegenseitig und sprechen sich gegenseitig Medienförderung für ihre Parteiblätter zu.

Pro Haushalt kostet das ungefähr CHF 200.– pro Jahr. Dass dies zu einem grossen Teil zum Fenster hinausgeworfenes Geld ist, darauf habe ich bereits mehrfach hingewiesen. Aber die «Altparteien» haben das Mediengesetz ja in erster Linie zur Wahrung der bestehenden Machtverhältnisse und der eigenen Pfründe ins Leben gerufen. Und damit besteht auch keine Aussicht, dass sich demnächst daran etwas ändern wird.

Eine Änderung kann der Leser jedoch herbeiführen, indem er ein eindeutiges Verdikt spricht und nur noch diejenige Zeitung abonniert, die eine ausgewogene Darstellung verspricht und auch einem gewissen journalistischen Anspruch gerecht wird. In diesem Sinne hoffe ich, dass Patrik Schädler seine Vorstellungen alsbald durchsetzt, damit die Bürger von unten her jene Änderungen herbeiführen, gegen die sich die dominierenden Parteien FBP und VU (noch) sträuben.

Unsere glorreiche Medienförderung führte dazu, dass Liechtenstein in punkto Pressefreiheit in den Augen internationaler Beobachter lediglich Platz 28 einnimmt. Für einmal ist dies unserer FBP/VU-Regierung egal: In allen andern Fällen werden die rotschwarzen Filzokraten nicht müde, überall und immer den ersten Platz anzustreben, z.B. wenn es um die Flüchtlingsverteilung, Klimabemühungen, Informationsaustausch, etc. geht.

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