Fakten vs. VCL

Der Verkehrs-Club Liechtenstein schreibt im Januar 2015: Die OeBB schätze, dass heute in der Morgen-Hauptverkehrszeit per Bahn 230 Personen von Feldkirch nach Liechtenstein fahren. Weiter im Text versucht dann der VCL glaubhaft zu machen: Die S-Bahn im Halbstundentakt wird zu einer deutlichen Entlastung der kritischen Strassenabschnitte und auch der Rheinbrücken führen.

Ok, mit dem Halbstundenakt fahren dann mehr als 230 Personen S-Bahn. Aber auch wenn doppelt so viele die S-Bahn benützen, würden die Strassen kaum spürbar entlastet. Über die Rheinbrücken und Grenzen fuhren nämlich 2013 täglich im Durchschnitt 81‘447 Fahrzeuge, an Arbeitstagen ist die Frequenz noch höher. Um nur 1% Entlastung der Grenzübergänge zu erreichen müssten 814 Fahrten auf der Strasse über die Grenzen auf die S-Bahn verlagert werden. Ob eine deutliche oder bedeutungslose Entlastung der Strassen eintritt, ist eine Ermessensfrage.

Der VCL schreibt in einer Belehrung eines Leserbriefschreibers, es lohne sich, gut über die S-Bahn informiert zu sein.

Also habe ich mich gut informiert und festgestellt: Mit dem Zug brauche ich von Feldkirch-Bahnhof nach Nendeln-Bahnhof 13 Minuten. Mit dem Bus der Linie 70 brauche ich für die genau gleiche Strecke 12 Minuten. Fazit: Der Bus ist schneller und man kann sitzen bleiben, wenn man nach Bendern fahren will.

Gemäss VCL fahren mit dem Zug in der Morgen-Hauptverkehrszeit 230 Personen von Liechtenstein nach Feldkirch. Morgens von 5:30 bis 8:46 fahren fünf Züge.

Ein Doppelgelenkbus mit Dieselmotor des Busherstellers Göppel kann bis 250 Fahrgäste mit einer Fahrt befördern.

Der VCL schreibt im Volksblatt vom 24.1.14: Die Oebb werde für Nendeln eine Umfahrungsstrasse, eine Unterführung und weitere Kunstbauten zur Hälfte mitfinanzieren.

Schön, das mag ja auch stimmen, nur, die Oebb ist ein Unternehmen, eine Aktiengesellschaft. In den oberen Etagen von Grossunternehmen sitzen meist auch kühle Rechner. Wenn ein Unternehmen Investitionen macht, steht normalerweise dahinter eine geprüfte Kalkulation, die beschreibt, wann und mit wie viel Gewinn die eingesetzten Gelder wieder zurückfliessen. Einfach gratis ist normalerweise nichts, schon gar nicht Millionen.

Weitere Details
Für den Bahnhof Nendeln ist eine Überdachung rechts der Bahn 72 m, links der Bahn 60 m, das ergibt total 132 m, projektiert. Beim Busknotenpunkt in Bendern steigen weit mehr Personen um, dort ist ein Dach auf zwei Säulen in der Grösse von ca. 6 mal 5,5 m. Zeitweise stehen die Fahrgäste im Regen. Das ist eine verkehrte Welt.

In Nendeln sind zwei Lifte projektiert. Im weit grösseren Bahnhof Sargans, der erst vor kurzem auf den neuesten Stand umgebaut wurde, ist kein Lift vorhanden, trotzdem ist er behindertengerecht. Die Lösung in Sargans ist effizienter und kostengünstiger im Unterhalt. Wenn die Breite für eine Unterführung zu kurz ist, kann der Ab- und Aufstieg auch längs zum Trasse gebaut werden.

Feststeht: Millionen für eine S-Bahn, laufende Unterhaltskosten der Bauten, laufende Entschädigungen für die S-Bahn-Zugsgarnituren, zusätzliche jährliche Subventionsgelder für die LieMobil, vielleicht auch höhere Preise fürs Bus-Abo und weitere Kosten für eine nicht garantierte Auslastung einer S-Bahn.

Ich spreche mich gegen die S-Bahn aus, werde aber natürlich das Ergebnis einer Volksabstimmung, die eigentlich schon längst fällig ist, akzeptieren.

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