Gi Balzers fahren müar ned!

Im Jahr 2020 am neuen Schaanwälder Bahnhof, ein Balzner will am Billetautomat ein Zug-Billet nach Balzers kaufen. Am Bildschirm des Automaten erscheint die Nachricht «Kein S-Bahn Anschluss». Der Passagier erkundigt sich beim Bahnhofsvorsteher, der ihm kurz und knapp antwortet «Gi Balzers fahren müar ned». Der Vorsteher meint er soll doch mit dem Zug nach Schaan und dort in den Bus nach Vaduz umsteigen. Sapperlot, meint der Balzner, und das für 50 Mio. Franken.

Der Zusatznutzen der S-Bahn für die Mobilität der liechtensteinischen Bevölkerung ist aus Sicht vieler Einwohner sehr gering bis nicht existent. Indirekt mögen zwar während den Hauptverkehrszeiten ein paar Autos weniger auf den Strassen zirkulieren. Diese Verringerung wird jedoch durch die Zunahme der Zahl der Grenzgänger innerhalb eines Jahres mehr als wettgemacht. Nützen wird die S-Bahn vor allem der ÖBB, welche ihre Güterzüge auf die neue zweite Trasse, die vom Bahnhof Feldkirch bis nach Nendeln führen soll, abstellen kann. Für das Land bedeutet die zweite Trasse zusätzliche Risiken, denn es wird damit einfacher, Gefahrenguttransporte durch das Land zu schleusen.

Wenn schon von einem «Rückgrat» gesprochen werden soll, dann müsste die Bahn von Balzers nach Ruggell führen. Schliesslich verläuft unser Rückgrat auch längs im Körper und liegt nicht quer in der Landschaft wie die S-Bahn.

Der Gedanke an eine S-Bahn von Ruggell nach Balzes ist vielleicht abwegig und zu früh. Diskussionen über ein Gesamtkonzept sind in unserer Verkehrsplanung leider nicht existent, sofern das Wort «Planung» überhaupt berechtigt ist. Denn schon seit vielen Jahren wird unsere Verkehrsinfrastruktur von einem Jahr zum nächsten geplant. Mit solch einer kurzsichtigen Optik kann man nie und nimmer eine langfristige Verkehrsstrategie finden. Die Politik hat sich schon seit vielen Jahren selbst zum Verkehrsbastler degradiert. Ich meine, wir brauchen eine langfristige Verkehrsplanung analog derjenigen der Schweizer Kantone oder des Bundes. So liesse sich vielleicht ein Verkehrskonzept ins Auge fassen, das einerseits dem ganzen Land einen Nutzen bringt und andererseits noch Generationen nach uns noch Bestand haben kann.

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