Hat die Telecom in Liechtenstein eine Zukunft?

Um die Antwort vorwegzunehmen: Ja, die Telecom Liechtenstein AG hat eine Zukunft. Die Verwaltungsräte der Telecom begründeten den angestrebten Verkauf an die Swisscom mit den sinkenden Erträgen und einem zu kleinen Markt. Dieser einseitige Blick allein genügte dem Landtag allerdings nicht, um dem geplanten Verkauf die Zustimmung zu erteilen. Die Vorlage war nicht überzeugend aufbereitet, es fehlten zu viele Fakten, der ausgehandelte Preis war miserabel, der Landtag hätte unbekannten Verträgen zustimmen sollen und am Schluss die Verantwortung für deren Inhalt tragen dürfen. Der Landtag hat diese Vorlage zu Recht zurückgewiesen.

Die Frage, ob der Landtag eine Chance vergeben hat, als er den Swisscom-Deal ablehnte, ist trotzdem berechtigt. Die Befürworter des Swisscom-Deals wollten wohl vor allem so rasch wie möglich die kostspielige Ungewissheit, die so lange über der Telecom lastete, beseitigen.

Es besteht unmittelbarer Handlungsbedarf, um diese Ungewissheit auszuräumen: Die neue Telecom Liechtenstein AG muss zügig mit den nötigen Telekommunikationskompetenzen ausgestattet werden. Es liegt nahe, dass es jetzt neue ideenreiche Persönlichkeiten braucht, die Verantwortung übernehmen wollen. Die Gretchenfrage ist, wer soll dies sein?

Für mich ist klar, dass diese Person aus der Basis kommen muss. Denn nur ein Kenner der internen Prozesse ist schnell in der Lage, die notwendigen weitreichenden Massnahmen umzusetzen. Dass dies nicht die alte Garde sein kann, versteht sich von selbst. Es braucht nun Personen, die selber über das notwendige Know-how verfügen und auch für ihre Entscheidungen einstehen, ohne sich andauernd durch Beratungsfirmen legitimieren zu lassen.

Wie kann die Zukunft aussehen?

Es ist unbestritten, dass die Telecom neu strukturiert werden muss und wichtige Massnahmen für eine positive Entwicklung zu treffen sind. Nachfolgend sind einige dieser Massnahmen ohne den Anspruch auf Vollständigkeit genannt:

Die Telecom Liechtenstein AG wird seit 2004 analog einem Konzern geführt. Die neue TLI soll neu strukturiert und grössenverträglich aufgestellt werden. Dabei ist der Personalbestand genau zu prüfen und wenn nötig, eine Reduktion des Personals in Kauf zu nehmen.

Der Netzverkauf an die LKW hat sich als Fehler herausgestellt. Für die Swisscom war die Netzhoheit jedenfalls nicht verhandelbar. Für die zukünftige Telecom ist diese Netzhoheit ebenfalls erfolgsbestimmend und somit unabdingbar. Damit es jedoch nicht gleich wieder Doppelspurigkeiten zwischen Staatsfirmen entstehen, muss die LKW den Fehler aus dem Jahr 2000 bereinigen und das CATV-Netz an eine dritte nicht-staatliche Firma verkaufen.

Die inländischen Internet Service Provider (ISP) brauchen ein Kontroll- und Mitsprache- Mechanismus für den Netzbau, damit sollen Investitionen in das Netz durch die Nutzer überprüft werden. Dazu könnten z.B. Vertreter der ISP’s in den VR der Telecom delegiert werden.

Um die Attraktivität im Produktebereich zu steigern ist der Produktekatalog weiterzuentwickeln und auszubauen. Für die Preisgestaltung sollen überregionale Vergleiche herangezogen werden. Als erste Massnahme sind die Festnetztelefontarife auf CH-Niveau zu senken. Des Weiteren kann geprüft werden, ob sich eine eigene Mobilfunk-Infrastruktur auszahlen kann. Mit der Umsetzung solcher Massnahmen können auch im Land attraktive «Bundles» analog den Nachbarstaaten kreiert und angeboten werden. Bestimmte Dienstleistungen, die nicht den Kernkompetenzen zugeordnet werden können, sind zugunsten des Gewerbes aufzugeben. Dies ist z.B. die Installation und Wartung von privaten Telefonanlagen. Dadurch kann auch die Zusammenarbeit mit dem Gewerbe weiter verbessert werden.

Um das viel kritisierte Risiko der politischen Einflussnahme und das Finanzrisiko des Staates zu reduzieren könnte die Telecom Aktien zur Zeichnung freizugeben. So käme die Verantwortung schrittweise in private Hände.

Dies sind die wichtigsten Änderungen, die gemacht werden müssten, um die neue Telecom Liechtenstein auf standhafte Beine zu stellen. Wir müssen aus der Vergangenheit lernen und nicht mit unnötigen, komplizierten Strukturen die Zukunft verbauen.

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