Lebensraum Wald: Schutzwald in Gefahr

Der Schutzwald übernimmt für uns Menschen eine sehr wichtige Funktion, indem er die Talsohlen und Berghänge vor Rutschungen, Rüfen, Steinschlägen und Lawinen schützt. Diese Funktionen kann nur ein intakter und gesunder Wald übernehmen. Schon viele Jahrzehnte wissen wir, dass der Schutzwald mehr und mehr seine Funktion verliert, weil sich viel zu
wenig natürliche Waldverjüngung einstellen kann und dadurch die Bäume überaltern. Deshalb gehen unsere Schutzwälder in eine Zerfallsphase über, was für unseren Lebensraum katastrophale Folgen haben kann.

Gegen 100 Jahre bis zur Schutzfunktion
Herbert Elkuch hat im Landtag treffend ausgeführt, dass eine Sanierung des Rheindamms, welcher für unseren Lebensraum
ebenfalls von zentraler Bedeutung ist, innerhalb weniger Jahre bewerkstelligt werden kann. Der Schutzwald hingegen
benötigt zwischen 30 und 100 Jahre, bis er seine Schutzfunktion wiedererlangt. Deshalb muss jetzt gehandelt werden.
Der Landtag hat das Problem erkannt und nimmt es glücklicherweise nicht auf die leichte Schulter. Das zentrale und seit
Jahrzehnten ungelöste Problem ist der grosse Einfluss der Schalenwildbestände auf die Verjüngung des Waldes. Das
Problem ist akut. In Liechtenstein herrscht seit Jahrzehnten eine Situation, in der deutlich überhöhte Schalenwildbestände einen übermässigen Verbissdruck auf die Waldverjüngung ausüben, so dass sich ernste Verjüngungsdefizite eingestellt haben. In Höhenlagen über 1000 m ü. M. ist die Waldverjüngung auf knapp 90% der Flächen unzureichend.
Die Regierung meint: Es sei zwar nicht mit grossflächigen Totalausfällen zu rechnen, aber die Schutzleistung würde sich
deutlich vermindern. Es gilt daher, den Wildeinfluss (Verbiss) unterhalb einer Toleranzgrenze zu halten. Die Regierung sagt,
dass überhöhte Wildbestände die essenzielle Waldfunktion existenziell gefährden. Ausserdem könne man mit bestimmten Massnahmen andere Massnahmen nicht kompensieren. Übersetzt heisst dies wohl, das eine tun und das andere nicht
lassen, sprich, die Schalenwildbestände müssen zusammen und trotz anderen Massnahmen erheblich reduziert werden.
Daneben sind die räumlichen Verhältnisse nicht unbeschränkt vorhanden und schränken damit die Lebensraum-Aufweitungen ein. Der Versuch, unzureichende Regulierungsergebnisse mit Lebensraum-Aufweitungen zu kompensieren, sei nicht zielführend, heisst es im vorliegenden Bericht. Bisher sind immer alle Bemühungen, die Schalenwildbestände zu reduzieren, gescheitert. Dies aufgrund von nicht lösbaren Interessenkonflikten und ungenügender politischer Abstützung.
Deshalb wird wahrscheinlich ein regulatorisches Handeln der Politik erforderlich. Zudem muss auch eine Antwort auf die
Frage, wie diese Reduktion überhaupt erreicht werden kann, gefunden werden. Klar dürfte sein, dass mit dem heutigen
Jagdsystem die Ziele kaum erreicht werden können.

Wie verhält es sich mit den Wintergattern?
Wintergatter sind Wildgehege, in denen Rotwild zur Vermeidung von übermässigem Wildschaden während der Notzeit
mit Winterfütterung gehalten wird. Aufgrund der menschlichen Besiedelung und des Skitourismus kann das Wild nicht
mehr den natürlichen, jahreszeitlichen Bedingungen folgend in die Tallagen mit ausreichender Nahrung ziehen. Um im Gebirge nicht zu verhungern, richtet es dort durch Schälen von Baumrinde grosse Schäden an. Mit Beginn des Winters wird
durch Fütterung das Wild in das Gatter gelockt. Für die Tiere ist es im Wintergatter angenehmer, sie müssen nicht an Hunger leiden, da ihnen Futter zur Verfügung gestellt wird. Die Wintergatter sind ziemlich gross, pro Tier 2000 bis 10’000
Quadratmeter, siehe folgende Tabelle.

Winter-gatterGrösse
ha
Wildzahl
behörd. gen.
Wilddichte
Stück/ha
Seehöhe
m
GrünlandGatter in
Betrieb seit
1114441000-120010%1991
215302900-1100<5%im Bau
3156041000-120012%1996
4208041000-120015%1996
52010051350-140020%1981
621803.81100-120015%1996
723.3703900-110030%1993
823.5853.61150-1300<5%1994
939.58021400-270010%1995
1040401900-11009%im Bau
111302001.5800-14003%1990

Brombeerwuchs als Gegenmassnahme
Wintergatter dienen dem Schutz des Waldes, und es ist völlig fehl am Platz, Wintergatter zum Erschiessen des Wildes zu
verwenden. Ein erfahrener Jäger meinte, diese Wintergatter bringen nichts, weil im Frühling diese geöffnet werden müssen, und das Wild stürzt sich dann geradewegs auf die zu dieser Zeit frischen Tannentriebe (Latwerge). Er meinte, man sollte im Jungwald Brombeerstauden pflanzen. Plätze mit dichtem Brombeerbewuchs meide das Wild, die Jungpflanzen würden zwischen den Brombeerstauden gut gedeihen. Das würde in Polen mit gutem Erfolg durchgeführt.

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