Medizinische Kontrolluntersuchung für über 70-jährige

Trotz gegenteiliger Behauptungen und Schönrederei wird hierzulande manches reguliert, wofür andernorts keine Notwendigkeit gesehen wird. So auch bei der medizinischen Kontrolluntersuchung, die über 70-jährige alle zwei Jahre bei einem inländischen Vertrauensarzt zu einem Preis von CHF 120 durchführen lassen müssen.

Obwohl die schweizerische Verkehrszulassungsverordnung identisch mit der hiesigen ist, kann ein schweizerischer Arzt keine gültige Kontrolluntersuchung für einen in Liechtenstein wohnhaften Senior durchführen, angeblich wegen unterschiedlicher EWR-rechtlicher Vorschriften. Offenbar versteckt sich hinter dem inländischen Paragraphendschungel nichts anderes als ein weiteres Stück Heimatschutz für die einheimischen Ärzte, das zu Lasten der Freiheit der Bürger geht.

Interessant ist, dass Deutschland, die Autofahrernation schlechthin, keine obligatorische Kontrolluntersuchung für Senioren kennt. Auch das ist im EWR/EU Ausland – im Unterschied zum Inland – möglich. Der deutsche Bundesverkehrsminister Ramsauer meinte, dass obligatorische Kontrolluntersuchungen eine Altersdiskriminierung darstellen würden. Da hat er vollkommen Recht, denn «Senioren gehören nach Auswertung der Unfallzahlen nicht zur Hochrisikogruppe» (ADAC-Experte Ulrich Chiellino).

Für Personen, welche die medizinischen Mindestanforderungen nicht vollständig zu erfüllen vermögen, ist nach meiner Meinung vorzusehen, dass Führerausweise auch beschränkt werden können (z.B. zeitlich, geographisch oder für bestimmte Strassen, z.B. keine Autobahnen), denn Mobilität bedeutet für ältere Menschen ein Stück Lebensqualität und verhindert die Vereinsamung im Alter.

In Beantwortung meiner Kleinen Anfrage zu diesem Thema meinte die Verkehrsministerin Amann-Marxer, dass man sich nun überlege, das neue, am 1. Juli 2016 in Kraft tretende schweizerische 4-Stufen-System zu übernehmen. Nun, wenn das gemacht wird, dann bitte schön auch die unnötigen Einschränkungen im freien Dienstleistungsverkehr zwischen der Schweiz und Liechtenstein beseitigen. Oder reist die Ministerin etwa lieber nach Wien als nach Bern?

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