Postschiff droht zu sinken

Kaum sind die Veränderungen in der Geschäftsleitung der Post vollzogen, kommt die Schieflage bei der Post mehr und mehr ans Tageslicht. Der Geschäftsbericht 2014 zeigt das Problem nun deutlich. Das Auslandexperiment in Linz und Dresden hat die Post in akute Bedrängnis gebracht. Wäre die Post ein privatrechtliches Unternehmen, hätten die Verantwortlichen wohl den Hut nehmen müssen, denn das Eigenkapital ist praktisch komplett verzehrt. Die Revisionsstelle hat im Revisionsbericht einen Vorbehalt angebracht, da sie die Werthaltigkeit der zum Preis von 14.4 Mio CHF zugekauften Firmen (DIG, Linz und Newtron, Dresden) nicht beurteilen kann. Die Wahrscheinlichkeit ist gross, dass die Post einen grösseren Abschreiber wird machen müssen. Das wird dann wohl bedeuten, dass der Steuerzahler der Post in sehr naher Zukunft neuerlich mit viel Geld unter die Arme greifen wird müssen. Der Landtag hat erst im vergangenen Herbst mehrheitlich dafür gestimmt, dass das Land für einen 13.5 Mio. Kredit der Schweizerischen Post bürgt.

Obwohl die Zahlen Klartext sprechen, hört man von den Verantwortlichen keinen Ton. Auch die Regierung, die als Verfasserin der Eignerstrategie der Post eine klare Mitverantwortung für das Auslandsabenteuer hat, schiebt das Problem schweigend vor sich her. Eigentlich darf die Regierung als Hauptaktionärin dem Verwaltungsrat der Post keine Entlastung erteilen, solange die Verantwortlichkeiten und Kosten dieses Debakels nicht restlos aufgeklärt sind. Aber es ist unwahrscheinlich, dass die Regierung die parteinahen Verwaltungsräte im Regen wird stehen lassen.

Der scheidende Verwaltungsratspräsident hat zwischenzeitlich realisiert, dass sein Schiff ein Leck hat und sich bereits in grober Schieflage befindet. Er schreibt in seinem Jahresbericht, dass er und seine Mitstreiter mit dem strategischen Geschäftsfeld eSolution hinter den Erwartungen zurückliegen und dass die Stabilisierung der Tochtergesellschaften DIG und Newtron die grössten Herausforderungen im 2014 waren. Es sei gar so weit gekommen, dass die Integration der beiden Firmen aufgegeben werden musste und der VR die Firmen wieder zu eigenständigen Gesellschafen habe reorganisieren müssen. Dies zeugt von einem totalen Chaos und dass die ehemaligen Führungsverantwortlichen die Sache nie im Griff hatten.

Glücklicherweise ist das Rettungsboot, nämlich das Ende der Mandatsperiode, bereits da. Nach dem Vorsitzenden der Geschäftsleitung können sich nun der Verwaltungsratspräsident und ein weiterer Verwaltungsrat geruhsam und elegant abseilen. Seinen zurückbleibenden Matrosen (Pöstlern) ruft der scheidende Verwaltungsratspräsident Bruno Güntensperger noch zu: «Ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass ein Engagement über den Heimmarkt Liechtenstein hinaus wichtig ist, um alle Potenziale frühzeitig voll ausschöpfen zu können» (Zitat aus dem Geschäftsbericht).

Und wer ist schuld am ganzen eDesaster? Ja, lieber Leser, Du kennst die Antwort: Niemand. So wie wir dies aus allen anderen Fällen der Vergangenheit bereits kennen.

Gemäss Beteiligungsstrategie muss sich das Eigenkapital der Post in einer Bandbreite von 30-45% der Bilanzsumme zu bewegen. Bei einer ausgewiesenen Bilanzsumme von CHF 29.6 Mio. müsste das Eigenkapital somit mindesten CHF 8.8 Mio. betragen. Tatsächlich sind es jetzt nur noch CHF 0.75 Mio. resp. 2.5% der Bilanzsumme. Die ehemaligen Post-Strategen hätten die Auslandsakquisitionen gar nicht tätigen dürfen, da die Ausfinanzierung der 2. Säule das Eigenkapital der Post bereits stark strapazierte. Dieser Nachschussbedarf (für die Pensionskasse) war den Verantwortlichen bereits seit langem und auf jeden Fall vor den getätigten Akquisitionen bekannt.

Die Nichteinhaltung der Eignerstrategie ist gravierend. Zum Glück ist unsere Regierung ziemlich phantasievoll, wenn es darum geht, Verfehlungen der parteinahen Führungspersonen nachträglich zu heilen, indem – wie kürzlich bei der Uni Liechtenstein geschehen – Vereinbarungen rückwirkend angepasst werden.

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