Deutsche verteilen den Strom am Staatsfeiertag

Der Auftrag für die Verteilung des Stroms am heurigen Staatsfeiertag hat Liechtenstein Marketing an die Firma «Maya Event AG» mit Sitz in Schaan vergeben. Frage: Wer hat von dieser Firma schon mal gehört? Wohl kaum jemand, denn diese fristet mehr oder weniger ein Scheindasein und ist lediglich durch den österreichischen Rechtsanwalt Antonius Falkner in Liechtenstein vertreten. Die Firma hat weder eine Telefonnummer noch eine fertige Webseite (http://mayaevent.tv/index.html). Gemäss zuletzt eingereichter Jahresrechnung 2013 verfügt die Firma über keine Sachanlagen und hat im Jahr 2013 auch keine Löhne gezahlt!

 «Gerüchte stimmen so halb»!
Die Gerüchte, dass der Auftrag für die Stromunterverteilung an eine deutsche Firma gegangen sei, kommentierte der Geschäftsführer von Liechtenstein Marketing, Ernst Risch, im Vaterland vom 19.7.2016 proaktiv wie folgt: «Das Gerücht stimmt – so halb». Damit wollte er sagen, dass die Firma Maya Event AG den Auftrag nicht selbst ausführen wird, sondern diesen an die deutsche Tochter «The Maya Power GmbH» vergeben habe (siehe weiter unten).

Gemäss Gewerberegisterauszug muss die Maya Event AG über kein qualifiziertes Personal verfügen, da ihre Gewerbebewilligung neben anderen Dingen lediglich «die Planung und Umsetzung von Veranstaltungen aller Art» umfasst.

Dies schliesst jedoch die «Installation von Veranstaltungstechnik», wie die Stromunterverteilung, aus, da für diese Tätigkeit qualifiziertes Personal erforderlich wäre. Da hilft auch wenig, dass gemäss Handelsregistereintrag auch «sämtliche damit zusammenhängende Tätigkeiten» mit umfasst sein sollen.

Die «billigste» oder die «günstigste» Offerte?
Geschäftsführer Ernst Risch erklärte, dass das Gesetz über das öffentliche Auftragswesen (ÖAWG) verpflichte, die wirtschaftlich günstigste Offerte anzunehmen und dass Liechtenstein Marketing die Vorgabe der Regierung eingehalten habe, die finanziellen Mittel kostenbewusst einzusetzen. Allerdings können Dienstleistungsaufträge bis zu einem Auftragswert von CHF 100‘000.- grundsätzlich direkt, d.h. ohne Ausschreibung, vergeben werden (Art. 16, ÖAWV). Liechtenstein Marketing hat aber nicht die «wirtschaftlich günstigste Offerte», sondern die «billigste Offerte» gewählt. Es wurde nicht berücksichtigt, dass einheimische Betriebe Lehrlinge ausbilden, hier Steuern zahlen und Einheimische beschäftigen, die wiederum im Land Steuern zahlen. Die «billigste Offerte» ist deshalb für das Land noch lange nicht die «wirtschaftlich günstigste Offerte».

Dubioser Geschäftspartner von Liechtenstein Marketing
Gemäss Geschäftsführer Ernst Risch ist die deutsche «The Maya Power GmbH» in Liechtenstein gemeldet, so dass diese Arbeiten ausführen kann. Aber wer ist diese «The Maya Power GmbH»? Die «The Maya Power GmbH» wurde am 8. April 2015 gegründet und verfügt über ein Gesellschaftskapital von Euro 25‘000.-. Ihr Sitz ist in 22925 Ahrensburg, Schleswig-Holstein. Wer es nicht weiss: Schleswig-Holstein ist das nördlichste deutsche Bundesland und liegt zwischen der Nord-und Ostsee!

Von Gesetzes wegen muss lediglich 30% des Gesellschaftskapitals von Euro 25‘000.- einbezahlt sein. Wieviel Kapital tatsächlich einbezahlt ist, konnte anhand einer eingeholten Wirtschaftsauskunft nicht eruiert werden. Gemäss Wirtschaftsauskunft ist zudem nicht bekannt, ob, und wenn ja, wie viele Mitarbeiter die «The Power GmbH» überhaupt hat.

Der Zweck der «The Maya Power GmbH» ist «Die Unternehmensberatung in Bezug auf Veranstaltungstechnik und Installation von Veranstaltungstechnik». Die Firma hat also keine Bewilligung zur Ausführung von Elektro-Arbeiten!

Bis dato hat die «The Maya Power GmbH» noch keine Jahresrechnung abgeliefert. Gemäss Gesetz hätte dies bis zum 31.5.2016 erfolgen sollen (Frist verlängerbar). Alleinvertretungsberechtigte Geschäftsführerin der «The Maya Power GmbH» ist eine Frau Melanie V. Altbürger, die noch in anderen Gesellschaften Beteiligungen und/oder Funktionen inne hat.

Aufgrund der obigen, öffentlich zugänglichen Informationen bleibt im Dunkeln, wer genau hinter den Firmen steckt und welche Substanz die Firma «The Maya Power GmbH» hat. Ein seriöser Geschäftsmann würde wohl kaum einen Auftrag an ein solches Konstrukt vergeben. Von einer staatlichen Institution würden wir dasselbe erwarten!

Delikate Fragen bleiben
Mit wem hat Geschäftsführer Ernst Risch bei der Vergabe des Auftrags verhandelt? Mit Rechtsanwalt Antionius Falkner, Frau Melanie V. Altbürger oder einer dritten Person?

Wie kommt Liechtenstein Marketing dazu, der Firma Maya Event AG einen Auftrag zu geben, die im Land lediglich vom österreichischen Rechtsanwalt Antonius Falkner vertreten wird, und gemäss Gewerbebewilligung über kein qualifiziertes Personal verfügen muss?

Wie kommt Liechtenstein Marketing dazu, einer völlig unbekannten Firma, die zumindest im Geschäftsjahr 2013 keine Angestellten hatte, einen Auftrag zuzuschanzen, der von einer dubiosen deutschen Tochtergesellschaft ausgeführt werden soll, die – so wie es ausschaut – weder über Mitarbeiter noch über nennenswerte Aktiven verfügt?

Gemäss Zeitungsartikel vom 19.7.2016 hat Liechtenstein Marketing lediglich die LKW und die Maya Event AG für eine Offerte angefragt. Warum nur diese zwei Firmen und nicht alle Elektro-Installationsfirmen im Lande?

Warum muss Liechtenstein Marketing einen Auftrag über maximal CHF 49‘000.- (= Offerte LKW) angeblich nach dem Gesetz über das öffentliche Auftragswesen (ÖAWG) vergeben, die Regierung selbst vergibt den Auftrag für die Organisation des Staatsfeiertags im Umfang von CHF 600‘000.- aber ohne Ausschreibung an Liechtenstein Marketing?

Warum unterstützt die FBP/VU-Regierung eine solche Vergabepolitik und hat die FBP/VU-Regierung die Dinge überhaupt im Griff?

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