Was spricht für oder gegen einen Spitalneubau?

Pro Neubau Landesspital:

  • Eine Sanierung, um das Spital auf den heutigen Spitalstandard zu bringen, ist über die Jahre gesehen teurer als
    ein Neubau. Zudem kann die laufende Sanierung des bestehenden Spitals zu einem Fass ohne Boden werden.
  • Die Arbeitseffizienz kann mit einem Neubau gesteigert und damit Kosten gesenkt werden. Anlieferung, Rettungszufahrt sowie Patienten- und Besucherströme können getrennt werden.
  • Eine energiesparende und nachhaltige Bauweise trägt zum Klima- und Umweltschutz bei. Ausserdem ist eine hochwertige Bauweise bezüglich Erdbebensicherheit geplant.
  • Die Kooperation mit Chur und die Zusammenarbeit mit Grabs bleiben erhalten und können durch eine neue
    Infrastruktur eher ausgebaut werden. Eine moderne Infrastruktur erleichtert die Zusammenarbeit mit den umliegenden Spitälern.
  • Das neue Landesspital wird kein Konkurrenzspital oder eine Paralleleinrichtung zu Grabs, da das Leistungsangebot
    auf die Grundversorgung der Bevölkerung ausgerichtet ist.
  • Die Verantwortung für die Spitalversorgung bleibt im Land. Damit sind wir weniger den politischen Entscheidungen in den Kantonen St.Gallen oder Graubünden ausgeliefert.
  • Würden die Grundversorgung und die gemeinwirtschaftlichen Leistungen für Liechtenstein dem Spital Grabs übertragen, müssten diese auch bezahlt werden und sind nicht billiger. Mit einem eigenen Spital bleibt die Wertschöpfung im Inland.
  • FL-Grenzgängern/innen, die in öffentlich-rechtlichen Spitälern der Schweiz arbeiten, werden hohe Quellensteuern vom Lohn abgezogen. Ohne eigenes Landesspital werden Spitalberufe für Liechtensteiner unattraktiver.
  • Das Landesspital bietet attraktive Ausbildungsplätze für unsere Schulabgänger und auch für angehendes
    Pflegepersonal sowie für FL-Ärzte und Fachspezialisten. Wir brauchen qualitativ hochwertige Ausbildungsplätze, vor
    allem für Pflegeberufe. In Zukunft ist einheimisches Pflegepersonal für die alternde Bevölkerung von Bedeutung.
  • Bei Notfällen sind kurze Wege und ärztliche Versorgung rund um die Uhr wesentlich.
  • Bei Epidemien und Katastrophen sind wir weniger vom Ausland abhängig.
  • Ein neues Landesspital ist auch attraktiv für Belegärzte. Diese können die Patienten im Land selbst operieren und in
    ihrer Praxis nachbetreuen. Bei einer Abwanderung geht viel Wertschöpfung verloren.
  • Das LLS hat eine gute Erreichbarkeit durch die Nähe zum Autobahnanschluss. Es ist einfach zu finden, kein Zickzackkurs der Zufahrtsstrassen durch Quartiere wie bei den umliegenden Spitälern.
  • 43 Betten für alle kranken, verunfallten sowie neugeborenen und sterbenden Bürger ist für ein Land mit 38000
    Einwohnern kein Luxus.
  • Den Patienten mit lediglich der obligatorischen Grundversicherung stehen während ihres Aufenthalts im neuen Spital 43 Einzelzimmer zur Verfügung. In Krisensituationen können die Einzelzimmer doppelt belegt werden. In solchen Extremsituationen kann die Kapazität auf bis zu 94 Betten erweitert werden.
  • Die Zusammenarbeit zwischen dem Spital, der Notrufzentrale, der Familienhilfe, Spitex und den Altersheimen ist von
    grosser Bedeutung. Dieses Zusammenwirken ist mit einem Spital im Inland einfacher, da der gleiche Zahler
    und Defizitträger (Staat) dahintersteckt.
  • Die Kinder könnten wieder im eigenen Land geboren werden (dies ist aber eine Kostenfrage und deshalb noch
    nicht abschliessend geklärt).
  • Ein Spital, das nur Geriatrie (Altersmedizin) anbietet, wäre bloss noch ein sehr teures Pflegeheim. Für eine
    Akut-Geriatrie ohne weitere Spitalleistungen gibt es in unserer Region viel zu wenig Patienten. Deshalb ist diese Strategie weder sinnvoll noch wirtschaftlich.
  • Integrierte Parkanlage im Aussenbereich als Ort der Erholung, der Kommunikation und zum Verweilen.
  • Mehr Wertschöpfung bleibt im Land. Die Ausgaben für das Gesundheitswesen betragen ca. CHF 375Mio. pro Jahr.
    Das LLS beschäftigt ca. 135 Personen und ist Auftraggeber für verschiedene inländische Betriebe.
  • In den Fallpauschalen (Spitalrechnungen) ist ein Infrastrukturbeitrag von zirka 10% enthalten. Mit einem eigenen Spital bleibt dieser Infrastrukturbeitrag im Land.
  • Wenn wir uns schon eine Uni, eine neue Landesbibliothek, moderne zweite Schulstandorte usw. leisten können, dann
    sollte ein zeitgemässes Landesspital auch drin liegen. Ein neues, effizienteres Spital ist für einen Staat mit dem
    welthöchsten BIP kein Luxus!

Darum JA zu einem Spitalneubau

 

Contra Neubau Landesspital:

  • Erst im Jahr 2011 wurde ein Spital mit ca. 80 Betten vom Volk abgelehnt. Zum Glück, denn nur acht Jahre später genügt ein Spital mit 40 Betten für die zwischenzeitlich gewachsene Bevölkerung. Wenn in Zukunft Eingriffe vom stationären in den ambulanten Bereich verlagert werden, wären evtl. sogar noch weniger Betten ausreichend.
  • Es ist schwer, den Verantwortlichen zu vertrauen. Sie haben sich schon mehrfach geirrt. Der Noch-Verwaltungsratspräsident Michael Ritter sagte (VL 23.4.2015): «Der Staat muss künftig keine Investitionen mehr am Landesspital finanzieren. Dank dem DRG-System können wir künftig unternehmerischer handeln und Investitionen aus eigener Kraft tätigen.» Diese Aussage hat sich als falsch herausgestellt. Nur zwei Jahre später, nämlich im Herbst 2017,
    musste der Landtag CHF 4,5Mio. in das LLS einschiessen, um einen Konkurs abzuwenden.
  • Obwohl in den Fallkostenpauschalen ein Investitionskostenanteil enthalten ist, geht die Regierung neuerdings nur
    noch davon aus, dass das Spital aus den Einnahmen lediglich den Ersatz der medizinischen Geräte und Apparaturen
    erwirtschaften kann (BuA 2019/80, S. 65). Damit wird ein neues Landesspital trotz angeblichen Effizienzgewinnen ein Fass ohne Boden bleiben.
  • Das Projekt ist eine Zwängerei und zu wenig durchdacht. Im April 2019 präsentierte Gesundheitsminister Pedrazzini das «Spital auf der grünen Wiese». Dieses schnitt auf einer Bewertungsskale klar am besten ab. Fünf Monate
    später macht das «Spital mit Kiesgrubencharme» plötzlich das Rennen. Ist das noch seriös?
  • Das Projekt ist ein Schnellschuss und nicht genug ausgereift. Es fehlt z.B. die Integration eines Ärztehauses, so dass verschieden Ärzte und Therapeuten gleich beim Spital praktizieren könnten. So könnten Kosten durch Synergien in der Verwaltung gespart werden.
  • Warum wurden keine seriösen Projektstudien durchgeführt? Wofür bildet die Uni Liechtenstein jährlich etliche
    neue Architekten und Städteplaner aus?
  • Die präsentierten Kosten des Neubaus sind nicht vertrauenswürdig.
  • Das Spital kostet nicht CHF 72,5Mio., sondern zusammen mit den Kosten, die für das Grundstück bezahlt wurden, über CHF 100Mio.! Das als Vergleich herangezogene Spital in Schiers mit 41 Betten (Inbetriebnahme 2015) kostete nur 43Mio. Die Investitionskosten wurden von der Eigentümerin über Bankkredite selbst getragen. Diese werden aus den laufenden Ergebnissen verzinst und amortisiert. Weshalb geht das in unserem Land nicht?
  • Die jährlich wiederkehrenden Kosten sind zu hoch. Für die gemeinwirtschaftlichen Leistungen und die Aufrechterhaltung der Grundversorgung (Vorhalteleistungen) ist heute schon eine Abgeltung durch den Steuerzahler von
    CHF 4,7Mio. im Jahr nötig. Die Regierung geht zwar davon aus, dass dieser Betrag mit einer neuen Infrastruktur
    sinken wird, garantieren kann sie das allerdings nicht.
  • Die Verlagerung von Eingriffen in den ambulanten Bereich macht in Zukunft weniger Spitalaufenthalte nötig.
    Es kommt zu einem geschätzten Einnahmenverlust von CHF 700000.– pro Jahr.
  • Zuerst liefern, dann investieren. Verwaltungsratspräsident Michael Ritter sagte im Vaterland (VL 14.7.2017):
    «Die finanziellen Schwierigkeiten sind von vorübergehender Natur.» «Wir haben einen klar definierten Businessplan.
    Das Landesspital kann ab 2020 wieder schwarze Zahlen schreiben, und zwar, ohne dass es zu einer problematischen Mengenausweitung oder einer Konkurrenzierung der niedergelassenen Ärzte kommt.» Sollten wir nicht zuerst abwarten, ob das LLS dieses Ziel erreicht, bevor wir CHF 72,5Mio. investieren?
  • Ist eine Doppelspurigkeit mit Grabs sinnvoll und zielführend? Die Direktorin des LLS, Frau Copeland, meinte am
    9.4.2018: «Es gibt Häuser im Kanton Graubünden, die mit diesen Fallzahlen durchaus positive Erträge schreiben, und darauf müssen wir uns auch ausrichten.» «Den Grossteil dessen, was beispielsweise Grabs bietet, können wir am LLS auch,
    und für alles andere brauchen wir die Spezialisten in Chur.»
  • Wer trägt die Verantwortung? Die zweite und letzte Mandatsperiode von Michael Ritter läuft Ende 2019 aus.
    Jetzt kurz noch schnell vor Mandatsbeendigung einen Spitalneubau aufgleisen und sich danach verabschieden,
    führt zur bekannten Situation (siehe z.B. Landtagsgebäude), dass am Ende des Tages niemand die Verantwortung
    für dieses Projekt trägt.
  • Ein neues Landesspital muss von einer neuen strategischen Führung seriös geplant werden. Diese muss zuerst unvoreingenommen die verschiedenen zur Verfügung stehenden Optionen, worunter auch Neuverhandlungen mit dem Kanton St. Gallen zählen, seriös abklären.
  • Der Kanton St. Gallen hat heute ein weit grösseres Interesse, mit Liechtenstein zu einer guten Lösung zu kommen, als noch vor wenigen Jahren. Nach dem Rücktritt von Regierungsrätin Hanselmann und der Neubestellung des LLS-Stiftungsrates können neue Köpfe neue Lösungen finden.
  • Eine Beteiligung an der Spitallandschaft St. Gallen hätte den Vorteil, dass medizinisches Personal, das in Grabs arbeitet und in Liechtenstein wohnt, auch in Liechtenstein besteuert würde.
  • Das medizinische Versorgungskonzept und das zukünftige Leistungsangebot des LLS ist der Bevölkerung zu wenig bekannt.
  • Heute konkurrenziert das LLS teilweise die Hausärzte. Diese können die ambulante Grundversorgung der Bevölkerung wesentlich kostengünstiger anbieten als das LLS.
  • Der neue Standort des Landesspitals würde an einer der meistbefahrensten Strassen des Landes liegen. Bei einem Jahrhunderthochwasser wäre das LLS möglicherweise selbst in Gefahr.
  • Die mögliche Neueröffnung einer Geburtenstation am neuen Landesspital ist ein Lockvogel-Argument der Regierung.
  • Der Zustand des jetzigen Landesspitals wird schlechtgeredet. In den letzten acht Jahren wurden CHF 18Mio. in das LLS investiert: Neue Operationssäle, neue Notfallstation, ein Schockraum usw. Fritz Horber sagte (25.10.2015): «Vaduzer Notfallstation wird jetzt den Bedürfnissen eines modernen Schweizer Regionalspitals gerecht.» Warum also ein Neubau für CHF 72,5Mio.?

Darum NEIN zu einem Spitalneubau

 

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